Der Wanderfalke (Falco peregrinus)

 

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                                                                                              Foto: Bernd Zoller

Allgemein: „Der schnellste Vogel der Welt ist zurück“, so betitelte der NABU NRW 2008 einen Aufsatz zu dem überaus erfolgreichen Wanderfalkenschutz in NRW. Eine seltene Erfolgsgeschichte im Artenschutz!
Der Wanderfalke  erreicht bis knapp Mäusebussardgröße und erzielt bei der Jagd Geschwindigkeiten von ca 200 km/h im Sturzflug auf seine Beute, die er fast ausschließlich im Flug schlägt. So ist es klar, dass er sich von Vögeln ernährt, die er im Luftraum antrifft. Die Größe der Beute variiert von Meisen bis Rabenkrähen, seine Hauptbeute nach Stückzahlen machen Drosseln, Stare und Finken mit etwa 70% aus. (Rockenbauch 2002 für die Schwäbische Alb). Auch Stadt- und Haustauben gehören zum Beutespektrum. Die größeren Beutetiere bleiben dabei dem deutlich stärkeren Weibchen vorbehalten. Ca. im März legt das Weibchen 3-4 Eier, die ca. 32 Tage bebrütet werden. Nach weiteren etwa 6 Wochen sind die Jungen flügge.

Da die Wanderfalkenpopulation 1969 in NRW durch Pestizide –die Eierschalen zerbrachen, da sie zu dünn waren-, Verfolgung durch Taubenhalter und Aushorstung durch Falkner erloschen war,  schlossen sich Anfang der 80er Jahre um Dr. Peter Wegner einige Ornithologen zusammen, die dem Wanderfalken durch Aufklärung der Bevölkerung, Optimierung möglicher Brutplätze und Horstbewachung auch in unserem Land wieder eine neue Chance geben wollten. (Insbesondere in Baden-Württemberg gab es noch eine Restpopulation, aus der man sich eine Neubesiedlung erhoffte.) Der erloschene Bestand konnte tatsächlich durch Zuwanderung wieder aufgebaut werden. Mit steigendem Bestand der Population ab Anfang der 1990er Jahre gründete sich unter dem Dach des NABU die Arbeitsgemeinschaft Wanderfalkenschutz (AGW) NRW, der mittlerweile auch Dieter Amthauer und der Verfasser aus dem Kreis SiWi angehören. Da Felsen und Steinbrüche, die bisherigen Bruthabitate der Wanderfalken, mit fortschreitender Zeit mehr und mehr vom Uhu besiedelt wurden, konnten i.d.Regel dort keine erfolgreichen Bruten mehr stattfinden, weil der Uhu zur Versorgung seines Nachwuchses spätestens die schreienden Jungvögel aus dem Nest der Wanderfalken holte, wenn er in der Nähe brütete. Aus diesem Grund wurde versucht, Wanderfalken Bauwerke als „Ersatzfelsen“ anzubieten, was sich als sehr erfolgreich herausstellte. So wurden zunächst vorwiegend im Ruhrgebiet durch Montage von Nisthilfen Zechenanlagen, Kraftwerke und weitere hohe Industriebauten erfolgreich als Niststandorte angeboten. Später kamen Funktürme, Brücken, Kirchtürme und Hochspannungsmasten hinzu. Hieß es zunächst „je höher die Nistmöglichkeit um so größer die Ansiedlungschance“ scheint dies mittlerweile überholt: im Jahr 2010 brütete ein Wanderfalkenpaar in ca. 17m Höhe erfolgreich an einer Brücke  in einem Rabenkrähennest.

2010 gab es in NRW 146 Revierpaare und 239 ausgeflogene Jungfalken, von denen erfahrungsgemäß 40-50% das 1. Lebensjahr überleben. Jedes weitere Jahr sterben ca. 10%, so erreichen rein rechnerisch nur 35-45% der Jungvögel das 2. Lebensjahr, in dem sie i.d.R. erst fortpflanzungsfähig sind.

Kreis Siegen-Wittgenstein: Nachdem klar war, dass der Wanderfalke an Bauwerken erfolgreich brüten kann, wurde von dem Leiter der AGW, Dr. Peter Wegner und Mitarbeitern in verschiedenen Regionen in NRW nach „Ersatzfelsen“ als geeigneten Brutplätzen Ausschau gehalten. So fiel auch die Wahl auf ein hohes Bauwerk im Kreisgebiet. Dort  wurde im Herbst 2003 eine Nisthilfe angebracht. Bereits im nächsten Jahr hatte sich dort ein Wanderfalkenpaar angesiedelt und es kam zu einer erfolgreichen Brut; 2 junge Wanderfalken flogen aus. Hier wurde nunmehr seit dieser Zeit jedes Jahr erfolgreich gebrütet. 2007 gab es dann zu unserer großen Überraschung an einem weiteren Bauwerk, sogar ohne menschliche (Nist-)Hilfe, eine Brut, aus der 3 Jungvögel ausflogen. Mittlerweile gibt es 3 Brutpaare und weitere Nisthilfen warten auf ihre Besetzung, wobei natürlich auch Turmfalken willkommen sind!

Die Anbringung von Nisthilfen erfolgte durch Alfred Raab und Thomas Rasche im Kreis SI und zur Unterstützung der dortigen Betreuer auch in den Kreisen OE, HSK, LDK, GM. Langjähriger Beobachter im Kreisgebiet ist außerdem Dieter Amthauer.  Weitere Personen aus Wittgenstein machen gelegentliche Beobachtungen.

Es werden jedoch noch zuverlässige Beobachter gesucht, die diesen faszinierenden Greifvogel beobachten, kontrollieren und noch unbesetzte Plätze im Auge behalten.

Alfred Raab, Tel. 02732-3344, Email Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann. ,

Mai 2011

(Aus Schutzgründen werden die Standorte der Nistplätze nicht näher bezeichnet.)