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Molche - Wasserdrachen im Tümpel

Wenn Anfang März die Nachtfröste seltener werden, erwachen unsere heimischen Molche, die wie alle Frösche, Kröten und Salamander zu den Amphibien gehören, aus ihrer Winterruhe. Der Weg führt sie dann zu ihren Laichgewässern, in denen sie sich fortpflanzen. Im Kreis Siegen-Wittgenstein ist neben Berg-, Teich- und Fadenmolch auch der Kammmolch heimisch.

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Der selten gewordene Kammmolch sieht im Prachtkleid wie ein kleiner Drache aus
(Foto: Michael Frede, NABU)

Mit einer Körperlänge von bis zu 18 cm ist er der größte, aber leider auch der seltenste der heimischen Molche. Der Kammmolch lebt im Siegerland am Rand seiner Höhenverbreitungsgrenze, ist also natürlicherweise schon immer bei uns selten gewesen. Verfüllungen von Kleingewässern oder Besatz mit Fischen in kleinere Stillgewässer haben die sehr standorttreue Art jedoch noch seltener werden lassen. Einige der Kammmolchvorkommen bestehen nur noch aus sehr alten Tieren, deren Nachkommen, aufgrund verschiedener negativer Umwelteinflüsse nicht das Erwachsenenstadium erreichen. Da Kammmolche bis zu 28 Jahre alt werden können, hat man in solchen Gewässern oft den Eindruck, dass sich das Vorkommen über Jahre hinweg hält, bis die Tiere plötzlich verschwunden sind.

Das auffallendste Merkmal der schwärzlich gefärbten Kammmolch-Männchen ist ihr hoher tiefgezackter Rückenkamm, der vom Kopf bis zum Schwanzansatz reicht und sie wie kleine Drachen aussehen lässt. Ein weiteres Kennzeichen ist der auffällig gelbschwarz gefleckte Bauch.

Vorsicht jedoch vor der Verwechslung mit besonders in tieferen Lagen ungleich häufiger vorkommenden, ebenfalls mit einem Rücken- und Schwanzkamm versehenen Teichmolchmännchen. Letztere werden oft nur halb so lang wie der Kammmolch und haben auf hellbraunem Grund viele dunkelbraune bis schwarze Flecken. 

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 Der verbreitete, kontrastreich gefleckte Teichmolch wird oft mit seinem Vetter, dem Kammmolch, verwechselt
(Foto: Michael Frede, NABU)

Unser Wasserdrache lebt von Februar bis Oktober in vegetationsreichen Gewässern. Kammmolche können aber auch in Naturfreibädern, ehemaligen Fischteichen oder ähnlichen künstlich angelegten Stillgewässern angetroffen werden. Untersuchungen haben gezeigt, dass einige der Tiere sogar den Winter in zugefrorenen Gewässern verbringen, ohne sich in die Winterruhe zu begeben!

Die Tiere sind jedoch im Gegensatz zu anderen Amphibien nicht einfach zu beobachten. Die besten Beobachtungschancen bestehen, wenn man mit einer Taschenlampe bewaffnet, nach Einbruch der Dämmerung, die Ränder von Stillgewässern ableuchtet. Aber informieren Sie bitte die Besitzer von den betreffenden Privatgewässern vor Ihrer nächtlichen Exkursion! Mit ein wenig Glück kann man dann die balzenden Kammmolchmännchen beobachten, wie sie mit "Katzenbuckeln" und heftigen Schwanzschlägen unter der Wasseroberfläche um die Gunst der Weibchen werben.

Einige Tage nach der Paarung legen die Weibchen 200 - 300 Eier. Diese werden jedoch nicht einfach so ins Wasser abgelegt, nein, die Weibchen falten "liebevoll" ein Wasserpflanzenblättchen um jedes einzelne Ei, damit es so vor Fressfeinden geschützt ist. Nach ca. zwei Wochen schlüpfen die Larven, die sich noch vier Monate im Wasser tummeln, bis die Umwandlung zu Jungmolchen abgeschlossen ist. Danach leben die Tiere bis zum nächsten Frühjahr an Land versteckt unter Totholz, Steinen oder Wurzeln.

Über die Verbreitung dieses überaus faszinierenden aber leider auch seltenen Tieres ist im Kreis Siegen-Wittgenstein bisher nur relativ wenig bekannt geworden. Da der Kammmolch darüber hinaus als "Art von gemeinschaftlichem Interesse..." in der Liste Anhang ll der "FFH-Richtlinie 92/43/EWG des Rates" aufgelistet ist, müssen die Kammmolch-Populationen, die im Bereich bereits ausgewiesener FFH-Gebiete liegen, in bestimmten Zeitabständen im Rahmen einer von der EU vorgeschriebenen Berichtspflicht erfasst und an die Landesanstalt für Ökologie, Bodenordnung und Forsten Nordrhein-Westfalen (LÖBF) gemeldet werden. Damit Wissenslücken so weit, wie möglich geschlossen, bzw. die Berichtspflicht erfüllt werden kann, startet die Biologische Station Rothaargebirge in Erndtebrück dieses Jahr eine Untersuchung zum Vorkommen des Kammmolches im Kreis Siegen - Wittgenstein.

Falls Ihnen diese prächtigen Tiere schon aufgefallen sind oder irgendwann über den Weg laufen bzw. schwimmen, melden Sie bitte den genauen Fundpunkt und das Funddatum an die folgende Adresse:

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Volker Hartmann, NABU