Der Schwarzspecht - Architekt und Zimmermann des WaldesWelch vielfältiges Leben sich in alten Buchen einfindet, wenn der Schwarzspecht sie „bearbeitet“ hat, darüber konnten sich die Wanderer informieren, welche dem Aufruf vom Kreisverband des NABU (Naturschutzbund Deutschland), Biologischer Station Rothaargebirge sowie dem Staatlichen Forstamt Hilchenbach gefolgt waren und an einer vogelkundlichen Exkursion teilnahmen.
Ein fütternder Schwarzspecht Die Exkursion begann im Bereich des Quellgebietes auf dem Lahnkopf in einem ca. 185 Jahre alten Buchenwald. Diese Bäume benötigt der Schwarzspecht, um Höhlen anzulegen und seine Brut großzuziehen. NABU-Experte Dr. Hartmut Müller konnte den Teilnehmern in einem ca. 1,5 ha großen Gebiet 9 Bäume zeigen, die zum Teil mit mehreren Höhlen ausgestattet waren. Der Schwarzspecht kennt keinen Wohnraummangel, sondern legt weit über seinen eigenen Bedarf hinausgehend Wohnhöhlen an. Ein einziges Paar, dessen Revier sich z.B. auf 15 Höhlenbäume erstreckt, benötigt nur zwei davon selbst, eine zum Schlafen und eine zum Aufziehen der Brut. „Solches Höhlenmangement lockt natürlich eine Vielzahl von Untermietern an, die von der Leistung des Schwarzspechts profitieren“, so Dr. Müller. Er konnte im zuerst in Augenschein genommenen Gebiet der 9 Höhlenbäume im Zeitraum von 6 Jahren als Untermieter die Hohltaube, den Waldkauz, den Rauhfußkauz, Tannen- und Kohlmeise, Kleiber, Eichhörnchen, Stare, Wildbienen und Hornissen sowie in einem Fall sogar den selten gewordenen Baummarder samt Kinderstube nachweisen. Hierbei handelt es sich ausnahmslos um Tierarten, die selbst keine Höhlen herstellen können. Gegenüber seinen Nachmietern verhält sich der etwa dohlengroße Schwarzspecht großzügig und nicht besonders kämpferisch. Dr. Müller vom NABU Siegen-Wittgenstein konnte selbst beobachten, wie ein Kleiber den um ein Vielfaches größeren Schwarzspecht aus einem bereits als Brutplatz vorgesehenen Höhlenbaum vertrieb, sich selbst niederließ und das Einflugloch auf das eigene Maß zumauerte.
Die alte Buche ist ein Höhlenbaum und somit Wohnung für vielfältiges Leben Unbeirrt wurde vom fachkundigen Leiter der Exkursion die Erwartung genährt, dass man bestimmt noch einen leibhaftigen Schwarzspecht mit eigenen Augen erblicken werde. Und kaum hatte Dr. Müller den Teilnehmern eine belegte Bruthöhle gezeigt und erklärt, woran man zweifelsfrei erkennen kann, dass sie genutzt wird – da geschah das Unwahrscheinliche. Zuerst waren die Sitzrufe des Schwarzspechts zu hören und schon kurz darauf flog ein Männchen, rein schwarz mit feuerrotem Scheitelfleck heran. Es stieß seinen charakteristischen Flugruf aus und ließ sich in der Nähe der Bruthöhle nieder, wagte aber angesichts der Wanderer nicht, sie zu betreten und sein Weibchen beim Brutgeschäft abzulösen. Noch beeindruckt von der wellenförmigen Fluglinie und der Begegnung vor Ort zogen sich die Menschen diskret zurück. Wenn man eine solche Beobachtung einmal gemacht hat, ist es für immer unmöglich, den Schwarzspecht mit einer Krähe oder einem anderen Rabenvogel zu verwechseln.
Wo gehobelt, fallen auch Späne - eine Schwarzspechtschmiede Dass solche herrlichen Naturbeobachtungen in den heimischen Wäldern möglich sind, ist zu einem großen Teil der ehrenamtlichen Arbeit passionierter Naturschützer zu verdanken, die sich gern der Mühe unterziehen und die Spechtbäume kartieren. In nachgewiesenen Spechtrevieren findet dann keine Waldbewirtschaftung mehr statt. Der Schwarzspecht kann seiner eigenen Förderung der Artenvielfalt ungestört nachgehen. Auch das Totholz im Spechtrevier, in dem die Spechte ihre Nahrung suchen, – holzbohrende Insektenlarven, Ameisen und andere Insekten – wird bewusst liegen gelassen, um das vom Specht maßgeblich geprägte ökologische System nicht aus dem Gleichgewicht zu bringen. Die gute, inzwischen jahrzehntelang bestehende Zusammenarbeit zwischen dem Naturschutz und den Forstämtern hat zu erfreulichen Erfolgen geführt, da der Schwarzspecht, unser größter heimischer Specht, sich in jüngster Zeit weiter im Kreisgebiet ausbreitet. NABU – Experte Dr. Müller konnte eine Neuansiedlung im zentralen Siegerland, im Naturschutzgebiet Loher Tal bei Kredenbach, beobachten, wo sich zunächst einige Schwarzspechte nur umschauten, später anfingen Höhlen etappenweise anzulegen und schließlich im letzten Jahr erstmals eine erfolgreiche Brut nachgewiesen werden konnte. Auch im Loher Tal gibt es alte Buchen und Totholz, welche der sich erholende Spechtbestand im Kreis gesucht und schließlich genutzt hat. Vollständig aufgeräumte Wälder sind für den Specht kein Lebensraum. Angesichts der geglückten Erlebnisse und des milden Frühlingswetters sowie der gewonnenen Erkenntnisse war die Specht-Exkursion für die Veranstalter und die Teilnehmer ein voller Erfolg. asa, NABU . |




