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Brutnachweis des Sperlingskauzes im Kreis Siegen-Wittgenstein

Doris Sonneborn und Werner Daus

Zusammenfassung

1994 konnten zwei Brutnachweise des Sperlingskauzes im Altkreis Wittgenstein bestätigt werden. Diese beiden Nachweise sind zusammen mit einem Brutnachweis aus dem Ebbegebirge (siehe Pfennig 1995: in diesem Heft S. 126) die ersten in Nordrhein-Westfalen.

Summary

Breeding records of Pygmy Owl (Glaucidium passerinum)in the Siegen-Wittgenstein district. In 1994 two pairs of Pygmy Owl were confirmed to have bred in Wittgenstein, near Siegen, western Germany. These two records together with one from the Ebbe mountains (seePfennig, 1995: in this issue p. 126) constitute the first breeding records for the federal state of Northrhine-Westphalia.

Einleitung

Der Sperlingskauz ist die kleinste unter den heimischen Eulen. Sie lebt überwiegend in reich gegliederten Fichtenwäldern und nadelholzreichen Laubwäldern.
(Foto: Peter Fasel, Biologische Station Rothaargebirge )

Anlässlich der Eulentagung in Homburg/Saar 1990 wurden wir durch den Vortrag des Ornithologen Werner Ficker darauf aufmerksam gemacht, dass der Sperlingskauz in Ausnahmefällen bei der Brut auch auf künstliche Nisthöhlen zurückgreift. Während eines Besuches im Erzgebirge 1991 stellten wir fest, dass auch bei uns in Wittgenstein durchaus geeignete Waldgebiete zur Besiedlung dieser Eulenart vorhanden sein müssten. Aus diesem Grund wurden von uns im Herbst/Winter 1991/92 an verschiedenen Stellen im Altkreis Wittgenstein Nistkästen für den Sperlingskauz angebracht. Zu dieser Aktion ermutigte weiterhin die Tatsache, dass sich das Verbreitungsgebiet des Sperlingskauzes momentan nach Westen ausdehnt.

Material und Methode

Die verwendeten Nistkasten entstammten rot-faulen Fichtenstämmen von ca. 25 cm Durchmesser, wobei das Flugloch 48 mm umfasste. Der Abstand vom Flugloch bis zum Höhlenboden musste dabei mindestens 40 cm betragen, um ausreichenden Schutz vor Mardern zu bieten (siehe auch Ficker 1990). Aufgehängt wurden insgesamt 18 Kästen, die wir im Altkreis Wittgenstein in sechs Gruppen von jeweils drei Kästen verteilten. Dabei achteten wir stets darauf, dass sich die Höhlen unmittelbar am Rand eines Altholzes zur Fichtendickung sowie in Wassernähe befanden.

Wir verwendeten eine Klangattrappe, um den Kauz direkt oder indirekt (durch Kleinvogelreaktion) nachweisen zu können.

Ergebnisse und Diskussion

Da in Fachkreisen eine Besiedlung unserer Mittelgebirge durch diese Spezies erwartet bzw. bereits erfolgt sein könnte, besuchten uns im März 1993 die Herren Dr. Mebs von der LÖLF in Recklinghausen und Dr. Wiesner, Jena, um in den von uns ausgesuchten Gebieten den Sperlingskauz mittels der oben erwähnten Klangattrappe zu bestätigen. Dieses Bemühen blieb jedoch erfolglos.

1. Brutnachweis

Habitat 1 mit Brutbaum
Habitat 1 with nesting-tree

(Foto: Werner Daus, NABU)

Während der Reinigung der Rauhfußkauz- und Sperlingskauznistkästen im Herbst 1993 registrierten wir bei Benutzung der Klangattrappe erstmals am 23. 10.1993 im Raum Erndtebrück eine starke Kleinvogelreaktion sowie einen einzelnen, kurzen Ruf des Kauzes. Da der Sperlingskauz in den Monaten November bis März Beutedepots (in Naturhöhlen und Nistkästen) anlegt, kontrollierten wir am 8. 1. 1994 die von uns aufgehängten Nistkästen, wobei Werner Daus ein Nahrungsdepot von sechs Mäusen fand. Damit war ein weiterer indirekter Nachweis gelungen. Aufgrund der Größe des Flugloches (48 mm) hätte kein anderes Tier diese Mäuse dort eintragen können. Am 12. 2.1994 war das Depot leer und es konnten Federn am Fluglocheingang gefunden werden. Da der Kauz in den Monaten März bis April nie auf die abgespielte KIangattrappe reagierte, jedoch weiterhin Kleinvogelreaktionen auftraten, bestand die Möglichkeit, dass sich der Kauz noch im Gebiet aufhielt. Die negative Reaktion auf die Klangattrappe könnte in Zusammenhang mit dem gleichzeitigen Vorhandensein des Waldkauzes in diesem Revier gesehen werden, da sich diese auch kleine Eulen schlagende Art der Schallquelle näherte. Aus diesem Grund wurde das Tonband nicht mehr eingesetzt. Die kontinuierliche Anwesenheit des Sperlingskauzes konnte am 6. 6.1994 bestätigt werden, als neben der Beobachtung starker Kleinvogelreaktionen der Fund eines Gewölles unter einem Buntspechthöhlenbaum gemacht werden konnte, welches von Dr. Wiesner eindeutig dem Sperlingskauz zugeordnet wurde. Da der Kauz die von uns angebrachten Nisthöhlen offensichtlich nicht zur Brut nutzte, fand im Juni verstärkt eine Suche nach Höhlenbäumen des Buntspechtes statt, leider jedoch ohne Erfolg.

Am 25. 6. 1994 gelang Forstoberinspektor Mennekes die Sichtbeobachtung eines Sperlingskauzes im nordwestlichen Erndtebrücker Raum nahe des später festgestellten Brutplatzes. Am 3. 7. 1994 schließlich konnte D. Sonneborn den Brutplatz ausfindig machen (Abb. 1). Er ist ca. 200 m vom Winterdepot entfernt und befindet sich am Rande eines Fichtenaltholzes von ca. 80-100 Jahren neben einer Dickung in 655 m Höhe über NN. Das Einflugloch liegt ca. 6 m hoch.

Habitat 1 mit Federn, Eischalen und Gewölle
Habitat 1 with feathers and egg-shells

(Foto: Werner Daus, NABU)

Unterhalb des Baumes konnten Eischalen, Federn, Gewölle verschiedener Größe sowie kleine Kotbällchen registriert werden. Nach Rücksprache mit Dr. Wiesner handelte es sich hierbei um einen eindeutigen Brutnachweis. W. Daus fertigte noch am gleichen Tag Belegfotos hiervon an.

2. Brutnachweis

Habitat 2 mit Brutbaum
Habitat 2 with nesting-tree

(Foto: Werner Daus, NABU)

Durch einen ihm fremden Eulenruf wurde Forstoberamtmann M. Jericho auf den Sperlingskauz aufmerksam Er ging der Schallquelle nach und konnte den Kauz 2-3 m entfernt in einer Fiehtendickung beobachten. Diese Information gab er an Herrn G. Roth, Bad Laasphe-Banfe, und dessen Mitarbeiter der AG Eulen weiter. Nach Rücksprache mit der

AG konnte M. Jericho den Brutplatz in einer Buntspechthöhle mit großflächigem Gewölle-, Eischalen-, Kot- und Federauswurf darunter auffinden. Daraufhin bestätigten die Mitarbeiter der AG Eulen die Brut mit den ausgeflogenen Jungvögeln am 25. 6. 1994 in einer kleinen Fichtendickung neben dem Höhlenbaum. Der Brutplatz befindet sich in ca. 650 m NN in einem großflächigen Fichtenaltholz von ca. 100-120 Jahren im Revier Fischelbach (Abb. 3).

Aus Schutzgründen können nähere Ortsangaben zu beiden Brutplätzen nicht gemacht werden.

Dank

Wir danken Frau Veronika Lange für ihre Hilfe bei der Suche von Höhlenbäumen, Herrn Michael Reuter für die regelmäßige Begleitung beim Einsatz der Klangattrappe, der Fürst Wittgensteinischen Waldbesitzergesellschaft, Bad Laasphe, für die gute Zusammenarbeit sowie den Herren Dr. Jochen Wiesner, Werner Ficker und Gerold Schlosser für den häufigen telefonischen Beistand. Herrn Dipl. Biol. Armin Six danken wir besonders für die kritische Durchsicht des Manuskriptes.

Literatur

Brauneis, W. (1991): Sperlingskauz-Brutnachweis für den Werra-Meißner-Kreis. Fliegende Blätter, Heft 5. - Brünner, K. (1988): Zum Schutz des Sperlingskauzes. Bayer. Staatsfortsverw. Informationen 2/88. - Exo, K. M. (1976): Nachweis des Sperlingskauzes in Westfalen. Alcedo 3: 56. - Ficker, W. (1990): Sperlingskauzbrut in einer künstlichen Nisthöhle. Der Falke 11. - Glutz von Blotzheim, U. N. & K. M. Bauer (1980): Handbuch der Vögel Mitteleuropas. Bd. 9. Akademische Verlagsgesellschaft Wiesbaden: 464-500. - Meyer, H. (1993): Sperlingskauz nutzt für den Rauhfußkauz aufgehängte Nistkästen im Winter. Ornith. Anz. 33. - Rudat, V. & J. Wiesner (1978): Brutnachweis des Sperlingskauzes in Thüringen bei Wolfersdorf. Landschaftspflege u. Naturschutz in Thüringen. Heft 4, 15. Jahrg. - Dies. (1981): Zur gegenwärtigen Kenntnis der Verbreitung des Sperlingskauzes in Thüringen. Ebd. Heft 3, 18. Jahrg. - Rudat, V. & J. Wiesner & M. Gödecke (1987): Zur Brutbiologie und -phänologie des Sperlingskauzes in Thüringen. Wiss. Beitr. Univ. Halle 1987 (P27): 371-383. - Schönn, S. (1987): Der Sperlingskauz. Neue Brehm Bücherei 513. - Tho, M. (1992): Sperlingskauz und Rauhfußkauz als unmittelbare Brutnachbarn. Naturschutzzentrum Wasserschloß Mitwitz, Materialien 1/92: 51-52. Wiesner, J. (1992): Dismigration und Verbreitung des Sperlingskauzes in Thüringen. Naturschutzreport Heft 4. - Wiesner, J. & V. Rudat (1983): Aktionsgebiet und Verhalten von Sperlingskauzfamilien in der Führungszeit. Zool. Jb. Syst. 110: 455-471.

Manuskript eingereicht am 1. 9. 1994.

Anschriften der Verfasser:
Bahnhofstr. 4, 57339 Erndtebrück (D. S.)
Weststr. 12, 57319 Bad Berleburg-Raumland (W. D.)

Erstveröffentlichung dieses Artikels in:
Charadrius 31, 1995, Heft 2, Seite 130 - 132

Doris Sonneborn und Werner Daus, NABU