Start

Der Rote Milan - Vogel des Jahres 2000

Die Tradition, in jedem Jahr einen heimischen Vogel besonders zu ehren hat der NABU nach der Zusammenlegung mit dem Deutschen Vogelschutzbund übernommen. Für das Jahr 2000 ist der Rote Milan gewählt worden, ein Vogel, der im Kreis Siegen-Wittgenstein noch häufig zu beobachten ist.
Der größte heimische Greifvogel, aufgrund seines im Flug auffälligen gegabelten Schwanzes auch landläufig "Gabelweihe" genannt, beeindruckt durch seinen eleganten Flug. Mit bis zu 150 cm Flügelspannweite ist der Rote Milan deutlich größer als der verwandte Schwarze Milan, der bei uns allerdings seltener vorkommt. Sein prächtiges rotes Gefieder und der schlanke Körper mit dem gegabelten Schwanz machen es leicht, den Milan zu erkennen.

Der Rotmilan (Milvus milvus)
(Foto: NABU/Delpho)

Früh im Jahr, im Februar oder März, kommen die Roten Milane aus ihrem Winterquartier in Spanien oder Südfrankreich zurück ins Siegerland. Bis zum Juli ziehen sie hier ihre Jungen auf, im August verlassen sie ihr Brutgebiet wieder. Besonders gefährdet sind die Zugvögel nach wie vor, wenn sie auf ihrer Flugroute den Vogelfängern ausgeliefert sind. Der Rote Milan kann ohne weiteres als Kulturfolger des Menschen bezeichnet werden. Wenngleich er auch lebende Beute schlägt, besteht ein Großteil seiner Nahrung aus Aas. Müllhalden und Autobahnen sind bevorzugte Plätze der Milane, hier ist der Tisch reich gedeckt, und das sogar das ganze Jahr über. In milderen Gegenden Deutschlands bleiben Milane deshalb mittlerweile ganzjährig.

Im Bergischen Land findet der Rote Milan ideale Bedingungen vor. Waldbedeckte hügelige Landschaft und abwechslungsreiche landwirtschaftlich genutzte Fläche bieten dem eleganten Flieger ein ausreichendes Nahrungsangebot zur Aufzucht seiner Jungen. Den im Durchmesser etwa einen Meter großen Horst baut der Milan gerne in Altholzbeständen des Laubwaldes. Im Abstand von wenigen Tagen werden 1 bis 4 Eier gelegt, die rund 30 Tage bebrütet werden. Das Weibchen übernimmt die meiste Zeit des Brütens, wird aber durchaus auch vom Männchen abgelöst. Rund 50 Tage nach dem Schlüpfen verlassen die jungen Milane den Horst, werden aber noch etwa einen Monat lang von den Alten gefüttert. Mit 3 Jahren sind die Vögel dann geschlechtsreif.

Milane nutzen mit wundervoller Eleganz und sichtlichem Behagen am Gleitflug die Thermik aus
(Foto: NABU/asa)

Naturliebhaber erfreuen sich am eleganten Gleitflug des Roten Milans, der auf Beutesuche dicht über den Boden gleitet. Geschickt nutzt der Segelflieger die Thermik. Während des Sommers sind die Elterntiere den ganzen Tag über auf Nahrungssuche und können entsprechend häufig beobachtet werden. Über einer frisch gemähten Wiese kann man nicht selten etliche der roten Vögel auf der Suche nach den Opfern der Mähmaschine sehen. Auch jagen Milane gerne anderen Greifvögeln, Reihern oder Krähen die Beute ab. Der äußerst geschickte Flieger verfolgt dabei den anderen so lange, bis dieser seine Beute fallen lässt.

Der prächtige Greifvogel ist in seinem Bestand durch intensive Landwirtschaft und den zunehmenden Landschaftsverbrauch zunehmend gefährdet. Der auffällig rotgefiederte Vogel braucht offene und reich strukturierte Landschaft, in einer Agrarwüste findet er keine idealen Bedingungen mehr vor und zieht sich mehr und mehr zurück. Zur Zeit schätzt man in Mitteleuropa insgesamt rund 5.000 Brutpaare, von denen mehr als die Hälfte in Deutschland leben.

Monika Münker-Kunze, NABU

 

Quelle: www.nabu.de