| Sind Landwirte wirklich noch die idealen Landschaftspfleger ? |
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Stellungnahme zur Veröffentlichung der Studie des Westfälisch Lippischen Landwirtschaftsverbandes
Mit einer sogenannten „Studie Verantwortung Leben“ und mit großen Berichten in den Heimatzeitungen will der Westfälisch- Lippische Landwirtschaftsverband zurzeit darauf hinweisen, welchen Beitrag die Landwirte größtenteils unentgeltlich für den landschaftspflegerischen Naturschutz und die Artenvielfalt in NRW leisten. Trotz wunderschöner Bilder in der Imagebroschüre und der Schilderung von wirklich erwähnenswerten Leistungen einzelner Landwirte sind die Aussagen dieser „Studie“ leider in der Realität unseres Naturraums nicht erlebbar.
Zweifelsohne leben wir nicht in einer Wildnis, sondern unser Naturraum wurde durch die menschliche Nutzung so entwickelt, wie er sich uns heute darstellt. Zweifelsohne sind Landwirte bereit, durch die Beteiligung an Agrarumweltmaßnahmen und am Vertragsnaturschutz den Lebensraum für Tiere und Pflanzen zu erhalten. Dass diese Arbeit durch Fördermittel bezahlt wird, ist absolut richtig und wichtig. Umgekehrt muss man aber leider feststellen, dass sich gerade durch die Veränderung der landwirtschaftlichen Betriebsweisen der Naturlebensraum in den letzten Jahren in einem rasanten Tempo negativ verändert. Diese gewaltige Intensivierung der Landwirtschaft führt in großen Bereichen zu einem gravierenden Verlust an Artenvielfalt der Pflanzen- und Tierwelt und zu einer Überbelastung der Böden und Gewässer durch Düngung und Pflanzenschutzmittel. Manche Fachleute sind der Ansicht, dass in Städten heute teilweise mehr Arten einen Lebensraum finden als in weiten Teilen der von der Agrarindustrie genutzten freien Flächen.
Die sog. Studie beruht auf einer freiwilligen Befragung der Landwirte, die Mitglied im Westfälisch Lippischen Landwirtschaftsverband sind, in drei Kreisen unseres Landes. Die Aussagen der Antworten wurden auf das ganze Land NRW hochgerechnet. Von den befragten Landwirten antworteten 25 Prozent. Eine umfassende Überprüfung der Richtigkeit der in den Fragebögen von den Landwirten getätigten Antworten erfolgte nicht.
Die „Studie“ weist z.B. auf die wichtige Heuernte hin, sagt aber nicht, dass diese in vielen Grünlandbetrieben oft eine untergeordnete Rolle spielt. Wichtig ist hier die Silagegewinnung, bei der es durch die frühen und häufigen Mahdtermine nicht mehr zur Samenreife von Pflanzen und Kräutern kommen kann und die Brut der Wiesenvögel häufig ausgemäht wird. Meistens gibt es allerdings keine Blumen und Kräuter mehr auf solchen Wiesen, da ja gezielt hochwertiges Kraftfutter geerntet wird. Auch in unserem Kreis werden gerade jetzt viele Grünlandflächen in monotone Maisfelder umgewandelt.
Laut Studie duldet nur noch ein Teil der Landwirte Rauchschwalben in ihren Ställen und viele Landwirte treiben ihr Vieh erst gar nicht mehr auf die Wiesen.
Laut „Studie“ werden und wurden in den letzten 15 Jahren viele Feldgehölze, Hecken, Streuobstwiesen oder Stillgewässer auch ohne öffentliche Förderung von den Landwirten neu angelegt und gepflegt. Aber wo genau befinden sich eigentlich diese wichtigen Landschaftselemente, die neu angelegt wurden, im Kreis Siegen-Wittgenstein? An welchen Orten kann man diese freiwillige Leistung der Landwirte auch besichtigen? Sind nicht gerade in den letzten Jahrzehnten viele dieser Hecken entfernt worden? Was ist mit den vielen Feucht- und Naßwiesen, die in den letzten Jahren entwässert wurden? Was ist mit den artenreichen Mähwiesen, die durch Silo und Düngung großflächig verschwunden sind?
Stolz wird von einer Gewässerpflege berichtet. Aber was ist mit den Gewässerrandstreifen? So ist z.B. die Eder selbst und ihre Ufer beidseitig in mindestens 3 Meter Breite als FFH-und Naturschutzgebiet geschützt. Wichtig ist hier eine möglichst durchgängige Hochstaudenflur als FFH-Lebensraum. Wandert man entlang der Eder, kann man starke Zweifel bekommen, ob diese Schutzbestimmungen von den dortigen Landwirten wirklich beachtet werden. Gerade intakte Uferstreifen sind wichtiger Lebensraum und wichtig für den Biotopverbund.
Ein besonders wichtiger Beitrag der Landwirte für die Landschaftspflege ist laut der „Studie“ auch die Pflege und das Ausmähen von Wegrändern der landwirtschaftlichen Wirtschaftswege. Dass hier eine Pflege zur Erhaltung der Wege notwendig ist, ist einzusehen und im eigenen Interesse der Landwirte. Warum aber die Wegränder nicht nur im Herbst ausgemäht werden, sondern früh im Jahr beginnend und mehrfach, ist unverständlich. Gerade diese Wegränder sind oftmals die letzten Refugien für viele Pflanzen, die sich durch diese sogenannte Naturpflege selbst hier nicht mehr entwickeln können. Übrigens ist die Behauptung, dass Landwirte sich an der Pflege des Hochmoores in Erndtebrück beteiligen würden, absolut falsch. Hier hat sich hauptsächlich der NABU, auch mit Unterstützung des Pflegetrupps der Biologischen Station und der Unteren Landschaftsbehörde, seit Jahrzehnten engagiert.
Ja, wir brauchen die Landwirtschaft zur richtigen Pflege und Erhaltung von wertvollen Naturräumen. Und die Arbeit, die sie dort leisten, muss weiterhin bezahlt werden. Deshalb ist es total unverständlich, dass die ca. 6 Milliarden Euro jährlich, die allein die EU zur Subventionierung an die Landwirte in Deutschland zahlt, meistens nur an die Flächengröße gebunden sind. Wenn die Landwirte sich für eine naturverträgliche Landschaftspflege einsetzen, müssten sie dafür kämpfen, dass nur der demnächst Fördergelder bekommt, der konkrete Leistungen für Natur und Umwelt erbringt.
Helga Düben, August 2011 Zu diesem Thema siehe auch "Landwirt betreibt eigenwillige Landschaftspflege" |

