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Vogelfütterung im Winter

Sobald die Nachttemperaturen unter Null sinken und sich die ersten Schneefälle ankündigen, fragen sich viele Naturinteressierte, was sie für die frierende Vogelwelt tun können. Der Naturschutzbund (NABU) des Kreises Siegen-Wittgenstein macht die besorgten Vogelfreunde darauf aufmerksam, dass die Winterfütterung nichts mit Naturschutz zu tun hat. Dies haben zahlreiche wissenschaftliche Untersuchungen eindeutig erwiesen. Die Winterfütterung ist aber sicher eine gute Möglichkeit, Vögel zu beobachten und Kontakte mit der Natur zu knüpfen.

Winterfütterung ist kein Naturschutz

Warum halten Naturschützer das Füttern von Vögeln für bedenklich? Mit der Fütterung der sogenannten Standvögel, die den Winter bei uns verbringen, greift der Mensch in das natürliche Gefüge ein. Die rund zwanzig Vogelarten, die sich an den Futterstellen einfinden, erhalten nämlich einen deutlichen Konkurrenzvorteil gegenüber Zugvögeln. Durch die Fütterung überleben mehr Standvögel wie Meisen, Drosseln oder Finken den Winter. Diese Vogelarten sind ohnehin nicht in ihrem Bestand gefährdet.

Kopfüber nimmt der Kleiber an Baumrinde geschmiertes Fett als beliebte Nahrung zu sich.
(Foto: Artur Franz)



Die Zugvögel, die im Frühjahr aus südlichen Überwinterungsgebieten zurückkehren, konkurrieren dann plötzlich mit deutlich mehr Standvögeln um Nistplätze. Unter natürlichen Bedingungen gleichen die Standvögel die Winternachteile durch bessere Nistplätze, mehr Bruten und damit einer größeren Nachkommenschaft wieder aus. Wird den Standvögeln aus Tierliebe das Überwintern erleichtert, haben die Zugvögel das Nachsehen und das Gleichgewicht ist dahin. Auch wenn er es gut meint, greift der Mensch mit der Winterfütterung einseitig in dieses sensible Miteinander ein und pfuscht der Natur kräftig ins Handwerk.

Wenn schon, dann richtig: Nur bei Schnee und Frost füttern

Auch wenn der Vogelfreund nun weiß, daß Naturschutz und Winterfütterung zwei Paar Schuhe sind, lässt sich ein Argument wohl kaum aus der Welt schaffen: Winterfütterung macht Menschen einfach Freude. Doch damit die Freude an der Fütterung nicht vergeht und den Vögeln auch wirklich geholfen wird, gilt es einige Regeln zu berücksichtigen. Gefüttert werden sollte nur bei Dauerfrost unter fünf Grad im Minusbereich und einer geschlossenen Schneedecke. Bei diesen Witterungsbedingungen finden die Vögel nur schwer Nahrung.

Vögel, die jetzt eine „künstliche“ Futterquelle aufsuchen, sollten sich auch auf dieses Angebot verlassen können. Die Futterstelle muss deshalb von nun an regelmäßig aufgefüllt werden. Hingegen dienen die Hinweise auf den Futterpackungen, schon ab September mit der Fütterung zu beginnen, lediglich hohen Verkaufserträgen und nicht dem Wohl der Vögel. Auch für die Futterstelle selbst sollten Winterfütterer einige Grundsätze beachten. Ganz wichtig ist es, dass Schnee und Regen auch bei starkem Wind das Futter nicht durchnässen. Feuchtes Futter verdirbt leicht und kann Seuchen auslösen. Die große Zahl der Vögel und das Aufeinandertreffen verschiedener Arten an der Futterstelle kann bei unsachgemäßer Fütterung besonders in feuchtmilden Wintern dazu führen, dass tödliche Krankheiten wie Salmonellosen ausbrechen. Vorbeugend sollten die Futterhäuschen regelmäßig gesäubert und angesammelte Futterreste entfernt werden.

Nicht alle Vögel fressen Körner

Für Körner- und Allesfresser eignen sich neben Futterhäuschen auch Futterglocken und Meisenringe. Zu den Körnerfresser zählen vor allem Finken, die sich auch im Sommer hauptsächlich von Körnern und Sämereien ernähren. Mit ihren dicken, robusten Schnäbeln sind sie auf diese Art der Ernährung spezialisiert. Weichfutterfresser, wie Rotkehlchen, Amsel, Star, Zaunkönig oder Heckenbraunelle, suchen sich ihre Nahrung gerne am Boden. Ihnen kann man sehr gut sowohl frische als auch angefaulte Äpfel und Birnen oder Rosinen und getrocknete Wildbeeren anbieten. In heißem Öl getränkte Haferflocken sind für viele Weichfutterfresser ein besonderer Leckerbissen. Gewürzte und gesalzene Speisen oder Brotreste sind als Vogelfutter nicht geeignet.

Nur Lebensraumschutz ist wirksamer Vogelschutz

Einen kalten Winter zu überleben, ist für Standvögel eine Herausforderung. Doch die Suche nach geeigneten Lebensräumen mit einem ausgewogenen Nahrungsangebot, Brutmöglichkeiten und der nötigen Ruhe für die Aufzucht des Nachwuchses wird für viele Vögel zunehmend zu einer viel schwierigeren Aufgabe. Der NABU kämpft unermüdlich gegen diese Lebensraumzerstörung. Jeder Vogelfreund sollte bedenken, dass Naturschutzverbände schon mit einem Bruchteil der Millionensumme, die jedes Jahr für die Winterfütterung ausgegeben wird, viele Tiere und Pflanzen langfristig schützen könnten.

Es gibt aber auch noch andere Ansätze, mit denen Vögeln besser geholfen werden kann. Gartenbesitzer haben es in der Hand, wild lebenden Tieren und Pflanzen das ganze Jahr über ein kleines Exil zu schaffen. Wie wäre es denn mit etwas mehr „Unordnung“ im Garten, mit einer Blumenwiese statt Einheitsrasen und dem Verzicht auf Gift und Chemie? Ein naturnaher Garten mit vielen Stauden und heimischen Sträuchern ist die beste Winterhilfe für unsere gefiederten Freunde. Rotkehlchen und Zaunkönig finden in nicht zurückgeschnittenen Stauden zahlreiche Insekten und Spinnen, die dort überwintern und die Samenstände dienen Körnerfressern als Nahrungsquelle. Einheimische Sträucher wie Schneeball, Pfaffenhütchen oder Heckenrose bieten im Winter ausreichend Nahrung. Hier lassen sich Vögel ebenso gut beobachten wie am Meisenknödel oder Futterhäuschen.

asa, NABU, 2006