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Mit dem Drahtesel am Ursprung der Eder

Die junge Eder war der Interessenschwerpunkt von 35 Radwanderern, die der NABU (Naturschutzbund) Siegen-Wittgenstein zusammen mit der Biologischen Station Rothaargebirge (BSR) und dem Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC) zu einer naturkundlichen Exkursion eingeladen hatte. Man traf sich am Bahnhof Lützel, wohin etwa die Hälfte der Teilnehmer mit der Rothaarbahn angereist war. Von hier fuhr man zunächst bis zur Eder hinunter, wobei das Fahrrad eine kurze Strecke über eine Holzbrücke und eine Böschung geschoben werden musste, anschließend ging es über einen Waldweg (R 18) die Eder hoch bis zum Quellgebiet.

Eva Lisges erläutert die Flora des Ederquellgebiets
(Foto: Schween-Ante, NABU)

Bei kleineren Pausen machten Eva Lisges , Albrecht Belz sowie Stefan Tietjen auf den Lauf der jungen Eder aufmerksam, die hier in ihrem Oberlauf in engen Windungen fließt, also frei mäandriert und eine völlig natürliche Fließgewässerdynamik entfalten kann - ein bezaubernder Anblick, der Seltenheitswert besitzt und die Radwanderer längere Zeit begleitete. Die Experten vom NABU erklärten den Radwanderern, wie eine Entfichtungsaktion im Bereich der Ederaue erst möglich machte, dass sich der Bach wieder natürlich sein Bett suchen konnte. Idealerweise soll sich im Laufe der Jahre wieder ein naturnaher Auenwald entwickeln. Etwas weiter ederaufwärts nahe Altenteich konnten die Radwanderer im Naturschutzgebiet Eicherwald Reste des ehemals in den Auen weit verbreiteten Birkenbruchwaldes besichtigen. Das aus drei Einzelflächen bestehende NSG "Eicherwald" ist 14 ha groß. Die ersten Teilflächen wurden 1930 unter Schutz gestellt, somit ist es das älteste NSG des Kreises.

Moorige Offenflächen und Birkenbrüche, meistens auf Hangmooren, wurden geschützt und entkamen so der Zerstörung durch Entwässerung, die in der 30er Jahren massiv einsetzte. In dieser Zeit sollte bekanntlich jede denkbare Fläche einer Nutzung zugeführt werden, und so wurden Fichten gepflanzt. Birkenbrüche gehören heute zu den seltensten Lebensräumen Nordrhein - Westfalens, und nur wenige entkamen damals der Zerstörung, bei uns im Kreis vielleicht nur dieses eine, eben weil es NSG war.

Übrigens waren Hangmoore sehr wahrscheinlich der wichtigste Lebensraum für das Auerwild, welches in Folge der Zerstörung seines Lebensraums bei uns ausstarb.

Wie Stefan Tietjen ausführte, kommt im Birkenbruchwald der Ederauen die Karpatenbirke vor, eine Art die vorwiegend in Höhenlagen über 500m wächst und darum NRW - weit eher selten anzutreffen ist.

Schließlich wurde die allgemein bekannte Ederquelle besichtigt, die so aus der Erde kommt, wie Menschen sich Quellen vorstellen, und die für den Tourismus regelrecht zurechtgemacht wurde. Eine solche Quelle hat für Pflanzen und Tiere nicht mehr viel zu bieten. Zum Veranschaulichung eines weitaus naturnäheren Quellraumes führte Albrecht Belz vom NABU die Radwanderer zu einer weiteren Ederquelle, die sämtlichen anderen Teilnehmern unbekannt war.

Foto: Die Radwanderer bei einer ersten Pause
(Foto: Schween-Ante, NABU)

Zunächst wurde ein Stück weiter auf der Eisenstraße entlang geradelt und dann ging es zu Fuß weiter, ohne Weg und Steg in ein Moor. An dieser für eine Besichtigung eigentlich nicht gedachten Stelle gab es keine Holzstege wie an der offiziellen Quelle, welche trockene Füße garantieren, und keine markierten Wege, die zum Schutz der Natur und der Menschen dienen. Hier musste wirklich auf jeden Tritt geachtet werden um nicht bis zu den Knien - oder tiefer? - im Wasser zu versinken. Allein und ohne Führung als Ausflugsziel nicht zu empfehlen!

Geleitet von NABU-Experten Albrecht Belz aber machten sich die Mitgekommenen - alle hatten es nicht gewagt - klar, dass ein von vielen kleinen Teichen übersätes Moor gleichzeitig ein großflächiges Quellgebiet für die Eder darstellte. In diesem ebenfalls durch eine Entfichtungsaktion entstandenen recht unberührten Fleckchen Natur waren dann auch eher unbekannte Libellen anzutreffen. Die Exkursionsteilnehmer konnten u.a. eine soeben geschlüpfte Torf-Mosaikjungfer beobachten.

Der Rückweg der etwa 15 km langen Exkursion verlief über die Eisenstraße. Matthias Merzhäuser vom ADFC stellte fürsorglich stets das Schlusslicht der Gruppe dar, hatte aber keine Probleme zu bewältigen. Insgesamt war der Schwierigkeitsgrad der naturkundlichen Radwanderung als leicht zu bewerten und wurde auch von den Teilnehmern aus den unterschiedlichsten Altersgruppen gut bewältigt.

Am Ende waren sich alle einig, dass es sich bei der Exkursion um eine gelungene Kooperation zwischen Radsport und Naturschutz handelte, die man wiederholen sollte.

Angela Schween-Ante, NABU