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    Das NSG Hörre in Raumland

    Internationale Handelsbeziehungen unterhielten die Wittgensteiner dank des boomenden Schieferabbaus bereits im 18. Jahrhundert. Dies führte zum Beispiel dazu, dass die erste Bahnlinie in Wittgenstein in Raumland endete und nicht in Bad Berleburg hielt. Dem Transport des Schiefers wurde also größere Bedeutung beigemessen als den Reiseabsichten des Fürsten, der sich weiterhin mit der Kutsche bequemen und die Anhöhen hinaufziehen lassen musste. Diese und viele weitere interessante Einsichten in die Welt des Schieferabbaus erhielten am Samstag, den 7. 7. die ca. 28 Wanderer, die zuerst das Schaubergwerk Raumland und anschließend das Naturschutzgebiet (NSG) Hörre besichtigten. Die zweiteilige Veranstaltung wurde vom Heimatverein Raumland, dem Naturschutzbund (NABU) und der Biologischen Station Rothaargebirge angeboten.

    Charakteristisch für Raumland - der Anblick von Schieferbrüchen und -halden
    (Foto: Schween-Ante, NABU)

    Das vom Heimatverein betriebene ehemalige Bergwerk bietet Einblick in die Zeit des Schieferabbaus in Wittgenstein. Dieser hatte seine Hochzeit im 18. und 19. Jahrhundert, als das Gebiet preußisch wurde und eine Brandschutzverordnung Schiefer an Stelle von Stroh als Dachdeckungsmaterial festlegte.

    Manfred Dickel vom Heimatverein Raumland schneidet eine Schieferplatte zu
    (Foto: Schween-Ante, NABU)

    Damals arbeiteten Trupps zu je 7 Leuten 12 Stunden am Tag bei einer konstanten Kälte von zwei bis drei °C und dürftiger Beleuchtung mit Petroleumleuchten in diesem Bergwerk. Ein solcher Trupp bestand aus 3 Schlägern, zuständig für das Abtragen des Schiefers, 2 Spaltern, einem Zuschneider und einem Aufzeichner, wobei letzteres oft von Kindern übernommen wurde. Die unterschiedlichen Tätigkeiten wurden im Bergwerk von Hans-Hermann Born und Manfred Dickel im Einzelnen vorgeführt. Auch ihre Vorfahren verdingten sich als Bergleute. So führten die beiden Mitglieder des Heimatvereins Schieferschaubergwerk Raumland sehr eindrucksvoll und lebendig durch den Stollen. Es war bei ihnen ein starkes persönliches Engagement spürbar, denn Kenntnisse aus der ganz individuellen Familiengeschichte und grundlegende wirtschaftsgeschichtlichen Informationen wurden interessant miteinander verwoben. Am Ende der Führung war auch dem letzten Zweifler klar, dass der Raumländer Schiefer der beste ist.

    Nicht selten, aber dennoch bei näherer Betrachtung wunderschön - das anspruchslose Jakobsgreiskraut
    (Foto: Schween-Ante, NABU)

    Nach diesem eindrucksvollen Blick in die Vergangenheit begab sich die Gruppe nun auf die von Eva Lisges (Biol. Station Rothaargebirge) und Stefan Tietjen NABU (Naturschutzbund Siegen-Wittgenstein) geführte Begehung des NSG Hörre.

    Auch dieses Gebiet ist vom Schieferabbau geprägt. Die Schieferhalden dort, die sich in der Sonne schnell aufheizen, sind ideal für wärmeliebende Tier- und Pflanzenarten. Dort vorkommende zum Teil heilkräftige Pflanzen sind Thymian, Wundklee, Storchschnabel, Jakobsgreiskraut, Johanniskraut, Augentrost - Augenkrankheiten waren ein weit verbreitetes Übel unter den Bergleuten - und viele andere. Eine wirkliche Besonderheit stellt der Schmalblättrige Hohlzahn dar, ein optimal an den Standort der Schuttvegetation angepasstes Gewächs.

    Ein farbenfrohes Blumenarrangement aus Thymian, Wundklee und Margeriten - typische Flora des sich schnell erwärmenden und gut speichernden Schiefers
    (Foto: Schween-Ante, NABU)

    Zum Teil beginnt die Natur aber schon wieder die Schieferhalden und -brüche, die nach dem Ende des Schieferabbaus nicht mehr weiter aufgeschüttet werden, mit Büschen und Bäumen zu bewachsen. Der Lebensraum für seltene Reptilien wie die Schlingnatter oder die Waldeidechse ist somit zunehmend gefährdet. Um dies zu verhindern wurden im NSG Hörre bereits erfolgreich Entbuschungsaktionen vorgenommen. Auch die für den Menschen mittlerweile unzugänglichen alten Stollen sind ökologisch wertvoll und müssen erhalten und offen gehalten werden, denn sie bieten Unterschlupf für verschiedene Fledermäuse und auch andere Höhlenbewohner, wie Kartierungen des NABU und der BSR ergaben.

    Ein Teil der Gruppe lässt sich am Schieferhang von Stefan Tietjen (NABU) und Eva Lisges (BSR) die Pflanzenwelt im NSG Hörre erklären
    (Foto: Schween-Ante, NABU)

    Das Gebiet Hörre - Jahrhunderte alte Kulturlandschaft und Refugium für zum Teil seltene Tiere und Pflanzen, wird somit auch in Zukunft ein wichtiges Aufgabengebiet des NABU, anderer im Naturschutz engagierter Gruppen und auch des Heimatvereins bleiben. Sein Bestehen ist wie alle Kulturlandschaften auf menschliche Unterstützung angewiesen.

    Angela Schween-Ante, NABU