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Das Wildebachtal

Die heimischen Naturschutzgebiete sind geprägt von geographischen Gegebenheiten und traditioneller Bewirtschaftung des Siegerlandes. So gehören feuchte Wiesenauen zum Bild unserer Heimat seit Menschen vor rund 2000 Jahren begonnen haben, die sumpfigen Täler des waldreichen Berglandes für die Besiedlung nutzbar zu machen. Im Siegerland entwickelte sich daraus über Jahrhunderte die typische Wiesenbewirtschaftung – die Rieselwiesen.

Blick ins Wildebachtal
(Foto: Monika Münker, NABU)

Absolventen der Wiesenbauschule Siegen waren weltweit begehrte Fachleute, wenn es darum ging, aus unzugänglichem Sumpf landwirtschaftliche Fläche zu gewinnen. Heute besinnt man sich vielerorts wieder auf die alten Techniken und versucht, die durch die Bearbeitung vieler Generationen entstandene Kulturlandschaft des Siegerlandes zu erhalten.

Das NSG Wildebachtal im südlichen Siegerland ist eine solche Fläche. Der Wildebach, ein Nebenfluss der Heller, fließt von Wilnsdorf-Wilden aus Richtung Neunkirchen-Salchendorf. Sorgt der Wildebach durch falsch angelegte Bachführung im Ortskern von Neunkirchen alle paar Jahre für Hochwasserschäden, kann der kleine Bach zwischen den Ortschaften Salchendorf und Wilden bei Hochwasser noch ungehindert ein breites Gebiet überfluten und somit für ein ausgeblichenes Ökosystem sorgen, in dem viele Tier- und Pflanzenarten Zuflucht finden, die durch die Trockenlegung der vergangenen Jahrzehnte selten geworden sind.

Auf einer Fläche von 20 Hektar wurde das südlich der Landstraße L 722 liegende Wildebachtal auf Antrag des BUND 1990 unter Schutz gestellt. 15 ha gehören davon zur Gemeinde Neunkirchen, 5 ha gehören zu Wilnsdorf. Hier sollen die Lebensgemeinschaften der Feucht- und Sumpfwiesen erhalten bzw. wiederhergestellt werden, die früher als extensive Mähwiesen und Viehweiden genutzt wurden. Noch immer sind zahlreiche, quer zur Talaue verlaufende, Be- und Entwässerungsgräben zu sehen, die an die ehemalige Grünlandbewirtschaftung durch Rieselwiesen erinnern. Kleinflächig bildeten sich hier neben Feucht- und Sumpfwiesen, Klein- und Großseggenrieder und über stark wasserstauenden Bodenhorizonten auch Braunseggenrieder aus. Breitblättriges Knabenkraut, Fieberklee, Sumpfblutauge, Sumpfveilchen und Herbstzeitlose stellen nur eine Auswahl der nennenswerten Pflanzenarten in diesem Gebiet dar. Nachdem es in den ersten Jahren der Unterschutzstellung Probleme mit der Nutzung durch einen Landwirt gab, der hier ganzjährig Robustrinder halten wollte, konnte mittlerweile über Vertragsnaturschutz mit einigen ortsansässigen Landwirten eine extensive Nutzung der Feuchtwiesen erreicht werden, die das Wildebachtal in seiner erhaltenswerten Form bewahren wird. Sommerbeweidung durch eine vertretbare Zahl an Rindern und die Nutzung als Heuwiese mit einer Mahd, die Rücksicht auf die hier brütenden Vogelarten und seltene Pflanzen nimmt, sorgen für eine extensive Pflege dieses Naturschutzgebietes. Somit ist das Wildebachtal das erste der insgesamt vier Naturschutzgebiete der Gemeinde Neunkirchen, das über Verträge im Rahmen des Vertragsnaturschutzes zum größten Teil dauerhaft geschützt und erhalten wird.











Die Herbstzeitlose ist eine im Wildebachtal vorfindbare Art
(Foto: Schween-Ante, NABU)

Auch der Wildebach selber, der sich in zahlreichen Biegungen durch das Tal schlängelt, soll mit seinen Ufergehölzen - Reste eines Auenwaldes - geschützt werden. Auf einer Breite zwischen 25 und 350 Metern durchläuft der an dieser Stelle noch immer sehr naturnahe Wildebach das Tal. In lockerer Verteilung säumen mächtige Bruchweiden und Schwarzerlen den Bach. Stellenweise treten Uferröhrichte mit Rohrkolben oder Hochstaudenfluren mit Mädesüß und Rohrglanzgras auf. Ersatzgesellschaften der hier standorttypischen Weichholz- und Hartholzaue sind die durch landwirtschaftliche Nutzung entstandenen Feuchtgrünlandgesellschaften. Im Südwesten des Naturschutzgebietes befindet sich ein kleinflächiger ürsprünglicher Erlen-Auenwald.

Nicht zu letzt werden auch die Lebensgemeinschaften auf den ehemals bergbaulich genutzten Flächen des Wildebachtals hier unter Schutz gestellt. Im Südwesten im Bereich ehemaliger Halden findet man eine trocken-magere Pflanzengesellschaft mit Thymian, Borstgras und dem unscheinbar kleinen blaublühenden Gemeinen Kreuzblümchen. Diese trocken-warmen Areale stellen eine unschätzbare Bereicherung der wärmeliebenden Insekten und Reptilien - darunter die Schlingnatter - dar. Überhaupt spiegelt sich in der artenreichen Tierwelt die Vielfalt der Pflanzengesellschaften im NSG Wildebachtal wieder. Mehr als 20 Tagfalterarten, Ringelnatter, Blindschleiche, Waldeidechse, Erdkröte und Grasfrosch haben hier eine Zuflucht gefunden. Braunkehlchen, Brekassine und Wiesenpieper gehören zu den Brutvögeln entlang der Wildebach, die heute zu den besonders schützenswerten Singvögeln gehören.

Langfristig kann die Vielfalt der Pflanzengemeischaften und der darin lebenden heimischen Tierarten im Wildebachtal sicherlich erhalten bleiben. Die Zusammenarbeit zwischen Naturschutz, Landwirten und den beiden Kommunen Neunkirchen und Wilnsdorf, auf deren Gemarkungen das NSG ausgewiesen ist, sichert den Fortbestand des Tals durch eine bedachte Nutzung und Pflege.

Monika Münker-Kunze, NABU