Weiden - Frühblüher mit erstaunlichen EigenschaftenNoch liegt ein Hauch von Winter über der Landschaft, aber die Weidenkätzchen künden bereits seit Wochen davon, dass der Frühling nicht mehr allzu lange auf sich warten lässt.
Bei näherer Betrachtung und mit ein wenig Fantasie kann man auch die alte Kopfweide neben dem Bismarckplatz in Weidenau für eine von Erlkönigs Töchtern halten Weide ist nicht gleich Weide: "Mit dreißig verschiedenen Arten besiedeln die Weiden die verschiedensten Lebensräume Mitteleuropas", erklärt Gustav Rinder vom NABU Siegen-Wittgenstein. Dabei reicht die Palette von der mächtigen, breitkronigen Silberweide der Auen, bis hin zur kriechenden, nur wenige Zentimeter hochwachsenden Netzweide, die in Gebirgen bis zu 2.500 Meter Höhe lebt. Die gesamte Salixfamilie kommt weltweit sogar auf über fünfhundert verschiedene Arten. Weiden haben ihren Namen vom althochdeutschen "wida", was soviel wie winden, drehen oder biegen hieß. Und richtig, kaum eine andere Baumart hat so elastische Zweige und Äste wie die Weide. Besonders einige Zuchtformen, wie die "Trauerweiden" belegen dies eindrucksvoll. Aber auch die Silberweide, die zehn bis zwanzig Meter hoch und zweihundert Jahre alt werden kann, hat sehr biegsame Äste. Die hat der Mensch sich bereits früh zunutze gemacht und zur Herstellung von Korbwaren, aber auch als Stiele für Werkzeug, als Reisigpakete für den Ofen oder als Material für den Viehzaun verwendet. Die länglichen Blätter, die unterseits silbrig behaart sind, wurden an das Vieh verfüttert. So entstanden vielfach aus stattlichen Silberweiden urige "Kopfweiden". Die Menschen schätzten den schnellwachsenden Rohstofflieferanten und das Erscheinungsbild mancher Auenlandschaft wurde bald sehr stark von Kopfweiden geprägt. Die Silberweide wird als ein Baum des Tieflands noch am Unterlauf der Sieg beobachtet. Im Siegerland ist jedoch die Bruchweide heimisch. Sie hat zwar nicht die silbrig glänzenden Blätter und lässt sich wegen der leicht brechenden Äste nicht so leicht verarbeiten, kann aber ebenfalls 10 bis 20 m Höhe erreichen und stellt die typische Mittelgebirgsart dar. Mit ihren Blättern und Kätzchen locken die Weiden viele Insekten - "an einer Salweide können bis zu 213 Arten leben", berichtet NABU-Experte Gustav Rinder. Bekannter ist die Bedeutung der Weiden als Nektarspender für die ersten hungrigen Bienen und Hummeln: Bereits im März blühen Weiden in ihrer vollen Pracht. Eine besondere Bedeutung für den Menschen hat die Salweide: Deren Rinde enthält Salycil, eine fiebersenkende Substanz, die als Grundstoff für Aspirin in der Pharmaindustrie für Furore sorgte. "Auch wenn die Herstellung entsprechender Produkte heute über synthetische Verfahren erfolgt, ist dies ein Hinweis darauf, dass in der Schatzkammer der Natur so manche Wohltat für die Menschheit liegen könnte", berichtet G. Rinder vom NABU. Weiden haben die Besonderheit, dass sie kein festes Kernholz ausbilden. So werden sie mit zunehmenden Alter von innen ausgehöhlt. Eine ausladende Krone bewirkt dann leicht, dass der Baum beim ersten kräftigen Wind zerbricht. Da die Nährstoffversorgung des Baums aber über Wurzelwerk und den Außenbereich des Stamms abläuft, stellt auch eine bisweilen völlig hohl erscheinende Weide ein vitales und charaktervolles Lebewesen dar. Die Kopfweide als Kulturform weist also eine höhere Lebenserwartung auf als natürlich wachsende Exemplare. Literarisch geadelt wurde die Kopfweide durch Johann Wolfgang von Goethe, der ihr als "Erlkönig" ein schaurig-schönes Denkmal setzte. Kopfweiden waren in unserer Region schon immer sehr selten, vor allem weil die Korb- und Silberweide als die für die Kultivierung geeigneten Arten fehlten. Dennoch kann man z.B. im Heestal noch einige sehen. Eine wirkliche Besonderheit unserer Region stellt die alte Kopfweide auf dem "Inselchen" am Weidenauer Bismarckplatz dar, deren Unterschutzstellung leider bislang fehlschlug. asa, NABU |


