Die WasseramselIm Februar, wenn die Natur um uns herum still geworden ist und die meisten Vögel in ihr Winterquartier abgezogen sind, kann man an vielen Flüssen und Bächen unseres Kreisgebietes den Gesang der ansonsten seltenen Wasseramsel hören. "Der Vogel mit der markanten weißen Kehle und Brust und der schwarzbraunen Oberseite, dem kurzen Schwanz und dem runden, gedrungenen Körper, verbringt die Wintermonate in der Regel in seinem Brutrevier", wissen Friedhelm Adam und Gerhard Sauer vom NABU (Naturschutzbund) Siegen - Wittgenstein zu berichten.
Der weiße Brustfleck unterscheidet die Wasseramsel klar von ihrer Namensbase Die Neunkirchener Vogelexperten führen aus, dass lediglich eine geschlossene Eisdecke auf den von ihr bevorzugten klaren und schnell fließenden Bächen und Flüssen, die Wasseramsel veranlasst auch die großen Ströme aufzusuchen. Bei uns im Kreisgebiet nistet sich die Wasseramsel an jedem größeren Bach, im Neunkirchener Raum zum Beispiel am Seelbach und Mischenbach, auch an der Heller finden sich mindestens zwei Brutpaare, am Wildebach ebenfalls. Ihr Name, entstanden durch das "amselähnliche" Aussehen, ist ein wenig irreführend, denn der nächste, heimische Verwandte des "Wasserschwätzers" ist nicht die schwarze Amsel aus unseren Vorgärten, sondern der kleine Zaunkönig. Diese Verwandtschaft zeigt sich bei näherem Hinsehen auch am aufgestellten Schwanz und dem ständigen Wippen des sitzenden Vogels. Auch der schwirrende Flug, mit dem die Wasseramsel dicht über dem Wasser dahinstreicht, erinnert sehr stark an den kleinen Sänger. Die große Besonderheit der Wasseramsel ist ihr "Jagdverhalten". Als einziger Singvogel ist sie ein echter "Unterwasserjäger". Tauchend, schwimmend und sogar unter Wasser auf dem Boden laufend stellt sie Insekten, Krebschen, Tausendfüßlern oder Strudelwürmern nach. Deshalb ist sie mit einem sehr dichten, isolierenden und wasserundurchlässigen Federkleid ausgestattet, das ihr auch in den kalten Wintermonaten gute Dienste leistet. Dennoch fordern strenge Winter mit langen Frostperioden oft tödlichen Tribut - Nahrungsmangel ist hier die Ursache. Eine weitere Eigenheit des "Wasserschwätzers" ist sein winterlicher Gesang, der sehr laut und abwechslungsreich auch und gerade jetzt erklingt und an Bächen und Flüssen selbst die Geräusche des Wassers übertönt. So konnte Gerhard Sauer vom NABU bereits im Dezember des alten Jahres, noch bevor die Schneeperiode einsetzte eine singend Wasseramsel beobachten. Dass es bereits, je nach Witterungslage, Ende Januar zum Beginn des Nestbaues kommen kann und schon im März die Erstbrut mit drei bis sechs Eiern stattfindet, ist in der Vogelwelt eine große Seltenheit.
Der Innenraum des künstlichen Nistkastens war der Wasseramsel zu klein. Da ihr aber der Standort offensichtlich gut gefiel, baute sie ein größeres Nest auf die von Menschen geschaffene Nisthöhle Das Nest, das die Wasseramsel in Spalten Ecken und Höhlen am Ufer, aber auch unter Brücken oder an anderen Wasserbauwerken anbringt, ist ein kugelförmiges Meisterwerk aus Moos und Gräsern. Mit Hilfe von speziellen Nisthilfen haben in den 80er Jahren engagierte Naturschützer, wie Gerhard Sauer und Friedhelm Adam in Neunkirchen, aber auch Artur Franz, Wilgersdorf, und manche andere die Voraussetzungen für das Brutgeschäft der Wasseramsel an manchen Gewässern so verbessert, dass kleinräumig der Bestand stabilisiert wurde. Die Kästen wurden überwiegend angenommen und sind zum Teil noch heute Brutstätte der seltenen Vögel. Wenn sie von der Wasseramsel nicht akzeptiert wurden, so hat sich in den meisten Fällen die Gebirgsstelze in der von Menschenhand hergestellten Nisthöhle eingefunden, ein Vogel, der in den letzten Jahren im Kreisgebiet leider seltener geworden ist.
Die Wasseramsel - am aufgestellten Schwanz erkennt man die Verwandtschaft mit dem Zaunkönig Trotz dieser Erfolge des fachkundigen Naturschutzes muss die Wasseramsel in der Roten Liste als gefährdet eingestuft werden. War es im letzten Jahrhundert noch direkte menschliche Verfolgung, immerhin wurde für eine erlegte Wasseramsel eine Prämie bezahlt, weil man glaubte, sie würde Fischgründe leer räubern, so sind die Gefährdungsursachen in der heutigen Zeit sehr viel subtiler. Gewässerverschmutzung, -überdüngung, und -versauerung haben in vielen Bächen und Flüssen die Nahrungsgrundlage der Wasseramsel zerstört. Die Begradigung und der technische Ausbau der Fließgewässer zu sterilen Wasserrinnen haben ein Übriges getan. Die effiziente Klärung der Abwässer aus Industrie, Haushalten und Landwirtschaft, die Renaturierung aller Fließgewässer und ihrer Auen sind Ziele der Arbeit des NABU, der Bäche und Flüsse wieder zu Lebensadern in unserer Landschaft machen will, an denen nicht nur die Wasseramsel, sondern auch das "Lebenselexier Wasser" wieder gesunden kann. asa, NABU |




