Die heimischen GreifvögelVon jeher üben Greifvögel eine starke Faszination auf den Menschen aus. Könige erhoben Adler zum Emblem ihrer Macht; die Beizjagd mit Falken war lange Zeit in vielen Teilen der Welt ein Vorrecht der Herrschenden. Dennoch genossen und genießen Greife nicht nur Bewunderung: Weltweit stießen und stoßen sie immer noch bei Tauben- und Geflügelzüchtern auf Abneigung, ja Verfolgung.
Der Mäusebussard ist ein häufig anzutreffender Greifvogel im Kreisgebiet Um die Thematik zu versachlichen, bot jetzt der Naturschutzbund (NABU) Siegen-Wittgenstein zusammen mit dem Verein Waldland Hohenroth e.V. und der Biologischen Station Rothaargebirge eine Informationsveranstaltung im Raum Hilchenbach an. Dr. Hartmut Müller und Klaus Schreiber vom NABU führten die zahlreich erschienenen Exkursionsteilnehmer, unter denen sich auch erfreulich viele Kinder und Jugendliche befanden, in Biologie und Ökologie von Mäusebussard, Habicht, Turmfalke, Sperber und Rotmilan ein. Hierzu wurden verschiedene Lebensräume ausgewählter Arten aufgesucht, ohne die Tiere an ihren Brutplätzen zu stören. Unterstützt wurden die NABU-Experten durch den Hilchenbacher Forstamtsleiter Diethard Altrogge, der hilfreiche Erläuterungen zu Waldbau und Struktur der Lebensräume gab.
Die Greifvögel, deren Lebensräume zuvor besucht wurden, deren Horste, Nahrungsreste und Federn man vor Ort sah, werden zum Schluss der Veranstaltung anhand von Präparaten aus einer wissenschaftlichen Sammlung noch einmal vom NABU-Experten Klaus Schreiber veranschaulicht Am Beispiel des Mäusebussards konnten Anlage und Standort des Horstes (Nestes) im Kronenabschnitt eines mit Lichtungen und Schneisen durchzogenen Altholzes augenfällig demonstriert werden, „wobei der diesjährig besetzte Horst noch vor zwei Jahren Brutplatz des Habichts war und der Bussard im Umkreis eine Reihe von Ausweichhorsten zur Verfügung hat, die oft wechselseitig von verschiedenen Greifvogelarten bezogen werden können“, so Dr. Hartmut Müller. Die auch heute immer noch gelegentlich geäußerte Forderung, die Greifvogelbestände müssten durch den Menschen „einreguliert“ werden, damit sie nicht Überhand nähmen, entbehrt jeglicher fachlicher Grundlage, wie Klaus Schreiber aufgrund langjähriger Siedlungsdichteuntersuchungen zu berichten wusste: „ Der die Siedlungsdichte begrenzende Faktor ist neben der Landschaftsstruktur vor allem das Beuteangebot, wie wir dies am deutlichsten am Beispiel des Mäusebussards nachweisen können, der sich hauptsächlich von Feldmäusen ernährt, deren Populationen etwa alle 4-5 Jahre zusammenbrechen und damit dem Bussard aufgrund des schlechten Ernährungszustandes deutlich weniger oder gar kein Nachwuchs beschieden ist.“
Dr. Hartmut Müller erläutert mit Hilfe einer Sammlung von Federn die Unterscheidungsmerkmale heimischer Greifvögel Weitere Erläuterungen galten der Jagdweise und den Bestimmungsmerkmalen nach den Flugbildern der verschiedenen Greife. Noch konkreter wurde es, als Hartmut Müller seine umfangreiche Federsammlung sämtlicher einheimischer Arten anlässlich einer Rast den erstaunten Greifvogelkennern in spe präsentierte: „Anhand der Mauserfederserie, die sich im Horstfeld eines jeden Habichtpaares über viele Jahre hinweg problemlos sammeln lässt, kann an Federstruktur und -pigmentierung ermittelt werden, ob es sich generell um ein- oder mehrjährige oder sogar um dasselbe brütende Weibchen über einen längeren Zeitraum handelt.“
Federn besonders von jungen Vögeln, links z.B. die einer Elster sowie ein Amselschädel fanden sich an einem Rupfplatz des Sperbers Höhepunkt der Exkursion bildete nach einhelliger Meinung aller Teilnehmer die Begegnung mit dem Rupf- und Mauserplatz eines Sperberpaares, der sich auf dem aufgeworfenen Wurzelteller einer jungen Fichte befand. NABU-Experte Schreiber: „ An diesem Platz erscheint das Männchen, während das Weibchen brütet, mit der ungerupften Beute, lockt das Weibchen mit einem leisen „gigigig“ vom Horst, von wo es zum Rupfplatz streicht, die Beute übernimmt, rupft, bearbeitet und an die wenige Tage alten Jungen verfüttert.“ Müller wusste zu ergänzen: „Während der Brutzeit unterliegt das Weibchen einer Tötungshemmung, da das anfliegende Männchen sonst leicht Beute des eigenen Partners werden kann. Diese Hemmung führt auch dazu, dass Singvögel sich völlig ungeschoren im Horstfeld eines Sperbers bewegen können.“ Nach näherer Untersuchung des Rupfplatzes konnte ein Teil des Beutespektrums ermittelt werden: Etliche junge Kohlmeisen (vermutlich eben flügge), ein Amselmännchen u.a.... Gegen Ende der nahezu vierstündigen NABU-Veranstaltung zeigte sich – mit seinen für diese Jahreszeit typischen Handschwingen-Mauserlücken – der Rotmilan (Vogel des Jahres 2000 und Rote-Liste-Kategorie 2 : stark gefährdet) kreisend über seinem seit Jahren angestammten Brutrevier. |





