Nächtigungsverhalten beim SchwarzspechtZusammenfassung Anhand von Beobachtungen an einer Schlafhöhle eines Schwarzspechtmännchens Dryocopus martius in den Wintermonaten wird der Versuch unternommen, die aufgetretenen Störungen zu klassifizieren und die durch die Störungen entstandenen Auswirkungen auf das Einschlupfverhalten zu analysieren. Summary With observation datas of a male Black Woodpecker Dryocopus martius at a sleephole in the wintermonths it will attempt a trial to classify the occurrenced disturbances and to analyse the through it originated effects to the slip in behavior. Material und Methode
Schwarzspecht-Männchen und -Weibchen bei der Brutablösung. Das Foto wurde im Siegener Tiergarten aufgenommen. Dort liegt der Buchenaltholzbestand (ca. 25-30 Bäume) im Eichen-Buchenhochwald. Die vorliegende Arbeit enthält Beobachtungsmaterial von November 1984 bis März 1991. Tab. 1 gibt einen Überblick der Beobachtungen mit und ohne Störungen, Tab. 2 umfasst die Störungsarten und ihre Auswirkungen und die Tab. 3 beinhaltet die Einschlupfzeiten im Vergleich mit D. BLUME. Im Abschnitt "Verhaltensweisen" werden die Verhaltensweisen des Spechtes bei Störungen beschrieben. Auf weitere Benutzer der Höhle wird im letzten Abschnitt hingewiesen. Aus zeitlichen Gründen mußte auf eine intensivere Beobachtung verzichtet werden.
Schwarzspecht (Würgendorf) Bei dem Beobachtungsgebiet handelt es sich um einen Teil des Staatsforst der Stadt Siegen, den Tiergarten / Weidenau mit einer Größe von ca. 100 ha. Der Tiergarten ist im Norden, Osten und Süden jeweils von Stadtgebieten ( Siegen, Weidenau und Geisweid ) eingeschlossen. Im Westen und Nordwesten liegen hinter angrenzenden Nieder- und Fichtenwäldern die Ortschaften Birlenbach und Trupbach. Das Gebiet kann als Insellage bezeichnet werden. Entlang der westlichen Grenzlinie des Tiergartens zieht sich die sogenannte "Panzerstraße", eine ca. 6 m breite Betonplattenstraße, die vom Wellersberg / Siegen bis zum Truppenübungsplatz in Trupbach führt. Neben dem belgischen Militär sind weitere Benutzer die Forstabteilung Siegen, die Haubergsgenossenschaft, die Jägerschaft, private PKW`s, Motorrad-, Mofa- und Fahrradfahrer. Durch das Beobachtungsgebiet zieht sich ein Netz von Spazierwegen, dass von der Öffentlichkeit stark frequentiert wird. Ein Reiterweg zieht sich ebenfalls nahe der "Panzerstraße" durch den Tiergarten. Die Buche, die als Schlafbaum genutzt wird, steht ca. 20 m hangaufwärts der "Panzerstraße" in einem ca. 120jährigen Eichen- Buchenwald. Weitere 15 m hangaufwärts verläuft parallel dazu der Reiterweg. Die Höhe der Höhle beträgt ca. 9 m. Ergebnisse Allgemein
Meine ersten Beobachtungen vom Schwarzspecht im Tiergarten datieren von März 1984. Die Untersuchungen an der Schlafhöhle begannen am 25.11.1984. Ob es sich während der Beobachtungszeit um ein und denselben Specht handelte, ist nicht mit absoluter Sicherheit zu sagen. Da aber das Verhalten nach einer Störung, bezogen auf die Intensität, meist nach dem selben Schema ablief, kann angenommen werden, dasss es ein und derselbe Specht war. Ein Partner wurde in der Zeit nicht festgestellt. In 20 m Entfernung vom Schlafbaum direkt an der Grenzlinie zur "Panzerstraße" wurden in den Jahren 1985 und 1987 weitere Höhlen in einer Buche angelegt. 1992 kam, ebenfalls in einer Buche, eine weitere Höhle in 5 m Entfernung der Schlafhöhle hinzu. Der erste Brutnachweis gelang 1994 ( 24.05.1994 Außenfütterungen ). An allen Beobachtungstagen nächtigte der Schwarzspecht trotz der Störungen immer in der selben Schlafhöhle, obwohl mit der Zeit neue Höhlen angelegt wurden. Auch in den drei Fällen, als er nach dem Einschlüpfen durch Störungen die Höhle wieder verließ, wählte er für den zweiten Einschlupf die gleiche Höhle. Von 35 Beobachtungstagen war der weithin vernehmbare Flugruf "Kürr-Kürr" beim Anflug ins Schlafrevier nur 2x ( 5,7 % ) zu hören. Die verbleibenden neun Beobachtungen des Anfluges ins Revier aus der Tab. 1 wurden notiert als der Specht den Beobachter überflog bzw. beim Anflug aus einer anderen Richtung gesehen wurde. Die Tatsache, daß nur zweimal der Flugruf verhört wurde, lässt ebenfalls darauf schließen, dass es sich um den selben Specht handelte. Der typische Sitzruf "Kijäh" wurde an elf Tagen ( 31,4 % ) verhört. Am 03.01.1989 rief der Specht 14x von seiner Sitzwarte, wurde nach dem Einschlupf gestört, verließ die Höhle wieder und rief dann noch 16x "Kijäh" bevor er zum zweiten Mal anflog und einschlüpfte. An den anderen Beobachtungstagen rief er höchstens viermal vor dem Einschlupf. Der "Kürr"-Ruf beim Anflug zum Schlafbaum konnte sechsmal ( 17 % ) verhört werden. Außer den letzten beiden Störungen, die in der Tab. 2 aufgelistet sind, waren alle anderen Störungen nicht direkt auf den Specht ausgerichtet, sondern wurden ohne Kenntnis über sein Vorhandensein verursacht. Störungsarten und ihre Auswirkungen Die in der Tab. 2 aufgeführten Störungsarten mit ihren Auswirkungen auf das Einschlupfverhalten lassen erkennen, dass sich bei Störungen, die relativ schnell und nicht sehr laut verursacht werden, wie z. B. Spaziergänger, Jogger oder normalfahrende Autos, der Schwarzspecht kaum stören lässt. Er wird zwar etwas unruhig, was sich aber nicht auf die Einschlupfzeit bemerkbar macht. Sobald jedoch ein Auto zu langsam fährt, ein oder mehrere Spaziergänger durch irgendeinen Umstand stehen bleiben, eine Gruppe von Leuten zu laut ist oder ein Jogger verweilt, um seine Übungen zu machen, wird der Specht bis zum verzögerten Einschlupf gestört. Störungen die zum Abflug vom Einschlupfloch oder gar zum Abflug aus der Höhle führen können, sind der Tab. 2 zu entnehmen. Sollte der Beobachter zu spät im Revier eintreffen oder durch irgendeinen anderen Umstand vom Specht bemerkt werden ( siehe Beob. vom 10.02.1989 ), ist es ratsam, sich sofort zu entfernen, um den Vogel nicht noch länger zu stören, da diese Störungen zum Abflug vom Einschlupfloch führen können.
Verhaltensweisen bei Störungen
Schwarzspecht (Lohberg, Neunkirchen) Bei allen Störungstypen erscheint der Specht dem Beobachter unruhig bis sehr unruhig, fast hektisch. Dass der Schwarzspecht nach dem zweiten Anflug zur Schlafhöhle schnell und ohne Sichern in der Höhle verschwindet, lässt sich wohl mit der zunehmenden Dunkelheit und der damit verbundenen Bewegungseinschränkung erklären. Die Verhaltensweisen bei Störungen kann man in drei Kategorien, dem Übergang zu den einzelnen Nächtigungsphasen entsprechend, einteilen. 1. Verhalten bei Störungen vor dem Abflug an den Schlafbaum: Äußert sich durch längeres Verweilen bis zum Abflug an den Schlafbaum, Anfliegen anderer Bäume und erregtes Hacken. 2. Verhalten bei Störungen nach dem Anflug an den Schlafbaum: Äußert sich durch längeres Sichern ( Kopfbewegungen nach rechts und links ) am Schlafbaum und vor dem Höhlenloch durch mehrmaliges Eintauchen des Kopfes in die Höhle und anschließendem Sichern nach rechts und links. Erregtes Hacken an der Höhlenöffnung. Bei zu großer Intensität der Störung Abflug vom Schlafbaum. Beim erneuten Anflug verschwindet der Specht ohne das vorher beschriebene Sichern schnell in der Höhle. Der "Kürr"-Ruf beim zweiten Anflug wurde nicht verhört. 3. Verhalten bei Störungen kurz nach dem Einschlupf: Der Specht verlässt die Höhle wieder und fliegt ab. Erregtes Hacken, Anfliegen anderer Bäume, Kopfschwenken nach rechts und links, viele Stellungswechsel am Baum, sehr unruhig, in einem Fall 16x der "Kijah"-Sitzruf. Beim erneuten Anflug keine "Kürr"-Rufe, kein Sichern, schnelles Verschwinden in der Höhle. Einschlupfzeiten im Vergleich Die einzelnen Einschlupfzeiten wurden auf die jeweiligen Monate gemittelt und mit den Werten von D. BLUME verglichen. Der Januar hatte eine um fast 40 Minuten spätere Einschlupfzeit. Dies ist wohl zurückzuführen auf die zeitlich langen Störungen. Am 21.02.1989 war wegen einer Störung ein sehr später Einschlupf ( 17:42 Uhr ), der den Februarwert um fast 20 Minuten heraufsetzte. Der November und Dezember lagen mit ihren Werten im Bereich von D. BLUME. Dreimal kam es bei den Beobachtungen zum Abflug aus der Schlafhöhle. Die Zeitspannen bis zum zweiten Einschlupf betrugen einmal 17 Minuten und zweimal acht Minuten. Diese Einschlupfzeiten wurden nicht in der Tab. 3 berücksichtigt.
Weitere Benutzer der Höhle Während der Beobachtungszeit wurden folgende andere "Benutzer" festgestellt: 23.02.1985 Eichhörnchen in der Höhle 11.04.1986 Grauspecht - Weibchen ( Picus canus ) 03.04.1988 Grauspecht - Männchen schlüpft um 18:41 Uhr in die Höhle 06.04.1988 Grauspecht - Männchen schlüpft um 18:32 Uhr in die Höhle Dank Herrn Dr. H. Müller, Kreuztal danke ich für die Durchsicht der Arbeit und die zahlreichen fachlichen Anregungen, Herrn R. Unterbäumen, Siegen, von der Forstabteilung Siegen für die freundliche Unterstützung. Literatur BLUME, D. (1981): Schwarzspecht, Grünspecht, Grauspecht. NBB 300, 4. überarb. Auflage, Wittenberg Lutherstadt Ders. (1965): Der Fahrplan der Spechte. Vogel - Kosmos, Heft 4 : Ders. (1965): Ergänzende Mitteilungen zu Aktivitätsbeginn und -ende bei einigen Spechtarten unter besonderer Berücksichtigung des Grauspechtes. Die Vogelwelt, 86. (2) : GLUTZ V. BLOTZHEIM, U. N. & K. BAUER (1994): Handbuch der Vögel Mitteleuropas, Bd. 9, durchgesehene Auflage, Wiesbaden Erstveröffentlichung des Berichtes in: Charadrius. Zeitschrift für Vogelkunde,Vogelschutz und Naturschutz in Nordrhein-Westfalen. 32.Jg., 1996, Heft 3 Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann. Informieren Sie sich auf dieser Homepage weiter über den |
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