Start Natur-Tipps Heimische Natur Tiere 2 - Säugetiere

Zur Situation des Dachses im Kreisgebiet

Der späte Winter ist für den Dachs, der in der Dämmerung aktiv wird und den Tag gerne in seinem Bau verbringt, eine wichtige Zeit. Im Februar bringt die Dächsin zwei bis fünf Junge zur Welt. Die brauchen mehr als zwei Monate, bis sie zum ersten Mal den sicheren Bau verlassen. Verspielt und neugierig wie alle Jungtiere, müssen sie aber bald lernen, alleine zurechtzukommen. Im Oktober ist nämlich die gemeinsame Zeit der Dachsfamilie vorbei. Allerdings gibt es so etwas wie ein Familienerbe. Nicht selten wird ein Dachsbau über Jahrzehnte von den Nachfahren des Gründerpaares bewohnt.

 

 

 

 

 

 

Ein durchs Unterholz streifender Dachs ist ein seltener Anblick
(Foto: LÖBF)

Lichte Wälder, Waldränder, Feldgehölze - das sind die Plätze, wo der Dachs gerne seine Baue anlegt. Dabei entpuppt sich der bis zu 30 cm große und 75 cm lange Marder als ein geschickter Untertagebauer. Bis zu dreißig Meter Durchmesser kann so ein Dachsbau haben, der aus einem Wohnkessel und einer Vielzahl von Gängen und Luftschächten besteht. "Verglichen mit dem Fuchsbau zeichnet sich die Dachsbehausung durch einen deutlich breiteren Eingang aus, oft liegt auch trockenes Gras herum, das der Dachs im Gegensatz zum Fuchs in seine Höhle einbringt", berichtet Matthias Mennekes, Förster im Forstbezirk Elberndorf, Erndtebrück, und Naturschutzreferent des NABU Siegen-Wittgenstein.

Im Bau verbringt der Dachs, wenn es draußen wirklich kalt und unwirtlich ist, Tage und Wochen mit entspanntem Ruhen. Einen echten Winterschlaf hält der gedrungen wirkende, graue Dachs mit dem auffallenden schwarz-weißen Kopf aber nicht. Alle seine Körperfunktionen bleiben auf Aktivität geschaltet. Wenn es die Witterung erlaubt, wird er auch im Winter aktiv und nutzt die Gelegenheit für einen Ausflug. Dennoch ist seine "Faulzeit" eine sehr sinnvolle Einrichtung, hilft sie doch, Energie zu sparen, die er sonst aus dem Abbau seiner Speckschwarte ziehen muss. Die hat er sich im Spätsommer und Herbst angefressen, wenn er nicht selten über zwanzig Kilogramm wiegt. Im Gegensatz zu den meisten Verwandten aus der Marderfamilie ist der Dachs fast schon ein Vegetarier. Über die Hälfte seiner Nahrung besteht aus Beeren, Wurzeln, Pilzen oder anderer Pflanzenkost.

Die behaglichen Baue schienen für ein kurze Zeit das Verderben der Dachse heraufzubeschwören. Im Kampf gegen die Tollwut und gegen den Fuchs griff der Mensch zu rigorosen Methoden. Besonders in den 70er Jahren wurde Giftgas eingesetzt, mit dem man die Erdbaue im Wald ausräucherte. Ein Frevel, der nicht zum gewünschten Erfolg führte, weil die von der Landesregierung mit den Begasung beauftragten Firmen überwiegend am Tage und bei schönem Wetter arbeiteten. "Während es den Füchsen vielfach noch gelang, sich in Sicherheit zu bringen, wurden die trägeren nachtaktiven Dachse im Kreisgebiet vollständig ausgerottet", so Matthias Mennekes vom NABU. Erst mit dem Ende der Begasungsaktionen hat sich der Dachsbestand wieder erholt. Zwei Dachspaare aus dem Sauerland wurden im heimischen Kreis ausgesetzt und konnten sich erfolgreich vermehren. Außerdem wanderten sie vermutlich aus Rheinland-Pfalz und Hessen ein.

 

 

 

 

Förster Mennekes, Naturschutzreferent des NABU Siegen-Wittgenstein, erklärt Kindern einen Dachsbau im Forstbezirk Elberndorf
(Foto: asa, NABU)

Heute muss Meister Grimbart nicht mehr als gefährdet eingestuft werden. Der NABU spricht sich trotzdem gegen die Dachsjagd aus, die seit 1997 in NRW wieder erlaubt ist: "Es besteht keinerlei ökologische oder ökonomische Notwendigkeit, den Dachs zu jagen und es erscheint dem NABU auch nicht sinnvoll, eine Tierart, die gerade von der Roten Liste genommen wurde, sofort wieder zu bejagen", begründet Mennekes die Position des Verbandes. Eine sogenannte "Übervermehrung" kann aufgrund der hohen Sterblichkeitsrate bei den Jungtieren und den Verlusten durch den Straßenverkehr nicht auftreten, führt Förster Mennekes weiter aus.

Diesem Standpunkt schließt sich auf freiwilliger Basis auch die Kreisjägerschaft an. Kurt Moll, Wilnsdorf, als ihr Vertreter - inzwischen hat der Vorsitz gewechselt - hat alle Jagdausübungsberechtigten angeschrieben und die Empfehlung weitergegeben, in diesem und im nächsten Jahr den Dachs nicht zu bejagen. Zwar habe das Gesetz den Dachs freigegeben, aber es sei sinnvoll, dass sich die Population noch weiterhin festige. "An solche freiwilligen Vereinbarungen wird sich auch gehalten", so Kurt Moll.

(Februar 1999)

asa, NABU

Weitere Informationen des NABU Siegen-Wittgenstein zur Jagd finden sich in Berichten über den Rothirsch und den Fuchs auf dieser Homepage.