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 Dem Fuchs auf der Spur

Spaziergänge in der kalten Jahreszeit können so manche Überraschung bereithalten. In der wie ausgestorbenen wirkenden Landschaft begegnet man plötzlich einem sonst sehr scheuen Wildtier, dem Fuchs. Vor allem in der Nähe von Straßen kann man ihn nachts immer wieder beobachten.
Matthias Mennekes vom NABU (Naturschutzbund) Siegen Wittgenstein weiß, dass es die Suche nach überfahrenen Tieren oder Abfällen ist, die den Fuchs dazu treibt sich in die Nähe des Menschen und ihrer Straßen zu begeben. Fast jeder kennt das Tier mit dem obenseitig rost- bis gelbroten Pelz, der weißlichen Unterseite und dem buschigen Schwanz mit dem weißen Ende. Von den spitzen, schwarzen Ohren bis zur Schwanzspitze kann ein Fuchs weit über einen Meter lang werden. Bei einer Höhe von ungefähr 40 Zentimeter erscheint er immer geduckt und langgestreckt. Zusammen mit seinem pfiffigen Gesichtsausdruck, mit dem spitz zulaufenden Schädel, den hochgezogenen Lippen und den schräg sitzenden Augen, ist sie der Grund dafür, dass der Fuchs den Ruf eines listenreichen Jägers hat. 

Fasziniert hat der Fuchs den Menschen schon immer. In unzähligen Märchen und Fabeln aller Kulturkreise setzt sich der raffinierte Tunichtgut gegen dümmliche Gewalt oder Hochmut souverän durch. Ob's der "singende" Rabe oder der "gewalttätige" Wolf ist - vor der Schläue Meister Reinekes müssen sie alle kapitulieren. Das Bild des sympathischen Schelmen hat den Dichterfürsten Goethe zu seinem bekannten Werk "Reineke Fuchs" inspiriert und somit dem Höhlenbewohner ein literarisches Denkmal geschaffen.

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Ein Fuchs jagt im Morgengrauen in den noch bereiften Wiesen nach Mäusen
(Foto: Stefan Völkel)

"Fuchs, du hast die Gans gestohlen..." heißt es im Kinderlied, aber eigentlich ist der Rotrock ein echter Mäuseliebhaber. Sie machen zwar den Hauptbestandteil seiner Nahrung aus, die er mit allem, was er überwältigen kann oder an Essbarem findet, ergänzt. Regenwürmer, Schnecken, Maikäferlarven, Eier und Aas gehören zu seinem breiten Speiseplan. Ausgewachsene, gesunde Gänse hingegen überfordern eigentlich den Mut und die Kraft eines Fuchses. In der Not ernährt sich Meister Reineke auch einmal vegetarisch von Beeren, Bucheckern oder organischen Abfällen. NABU-Experte Matthias Mennekes, der von Beruf Förster ist, berichtet, dass der Fuchs gerade wegen seiner Vorliebe für Mäuse von Förstern gerne gesehen wird. Wichtig, so Matthias Mennekes sei auch seine Rolle als "Gesundheitspolizist", die er durch das Beseitigen von Kadavern in Wald und Feld erfüllt. Junghasen und Rebhuhnküken, die er auch nicht verschmähen würde, sind inzwischen so selten geworden, dass sie in der Ernährung des Fuchses fast keine Rolle mehr spielen.

Von einigen Jägern wird der Fuchs für den Rückgang der Hasen und Rebhühner als Hauptverursacher verantwortlich gemacht. Dabei wird aber übersehen, dass ein Beutegreifer wie der Fuchs seine Nahrungsgrundlage normalerweise niemals selbst vernichtet. Im Gegenteil, der Bestand eines Beutegreifers wird direkt von der Dichte seiner Hauptbeutetiere, beim Fuchs also der Mäuse, beeinflusst. Schwankungen im Fuchsbestand sind daher immer an "Mäusejahre" gekoppelt. Der Rückgang von Hasen oder Rebhühnern hat seinen Hauptgrund mit Sicherheit zuerst in tiefgreifenden Veränderungen unserer Landschaft. Matthias Mennekes vom NABU kann diese Erkenntnisse aus eigener Erfahrung unterstreichen: "In den zurückliegenden Jahren, seit ich ein Waldrevier auf dem Rothaarkamm betreue, habe ich selbst noch keinen Fuchs erlegt und nur ganz selten geschieht dies durch einen anderen Jäger in diesem Revier. Trotzdem ist bislang der Fuchsbestand nicht "explodiert" und Hasen sind in einem Waldrevier ohnehin selten, doch auch sie sind in ihrem Bestand sehr konstant geblieben. Dafür gibt es in gepflanzten Forstkulturen oder Naturverjüngungen aber auch kaum Ausfälle durch Mäusefraß."

Die vermeintlich starke Beutekonkurrenz ist sicherlich mit der Hauptgrund, warum der Fuchs immer noch aktiv bejagt wird. Dass er als Überträger zweier Infektionskrankheiten gilt, wird ebenfalls gern als Beleg für eine intensive Fuchsbejagung herangezogen. Die althergebrachte Tollwut wurde dabei neuerdings vom Fuchsbandwurm aus den Schlagzeilen verdrängt. Zwar spielen beide Krankheiten in der Epidemologie der letzten Jahre kaum eine Rolle, aber die Angst der Menschen vor solch unberechenbaren Krankheiten ist enorm.

Kein Wunder also, dass man versucht, den Fuchs mit allen Mitteln zu bekämpfen. Dabei schreckt man auch vor grausamen Nachstellungen nicht zurück. Füchse werden auch heute noch oft in Fallen gefangen, die nicht immer zuverlässig töten oder dem lebend gefangenen Tier viel Stress bereiten, bis es vom Jäger erschossen wird. Bei der Vergasung der Füchse, die vor einigen Jahren im Zuge der Tollwutbekämpfung angeordnet wurde, tötete man auch unzählige Dachse , Wildkatzen, Iltisse und andere Untermieter der großen Baue. Der Versuch durch eine Reduzierung des Fuchsbestandes die Gefahr einer Infizierung der Menschen zu minimieren, muss jedoch fehlschlagen. Als zwar scheuer, aber enorm anpassungsfähiger Kulturfolger hat der Fuchs mittlerweile die Siedlung als Lebensraum erobert. Selbst in den Großstädten ist Meister Reineke heimisch geworden. "Eine verstärkte Bejagung hätte zwei Wirkungen. Zum einen würde die Nachwuchsrate zum Ausgleich der Verluste gesteigert, zum anderen würden die schlauen Tiere sehr bald die jagdfreie Siedlung als sicheren Lebensraum noch stärker nutzen und so in engerem Kontakt zum Menschen kommen", erklärt Matthias Mennekes vom NABU. "Die Übertragung von Krankheiten würde wahrscheinlicher."

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Ein Winter-Fuchs schnürt durch die verschneiten Wiesen, dabei setzt er seine Pfoten in gerader Linie hintereinander.
(Foto: Stefan Völkel)

Der NABU sieht den Fuchs als ein wichtiges Glied in unserer Natur an, und erteilt der Einteilung der Tierwelt in sogenannte Nützlinge und Schädlinge eine eindeutige Absage. Als absolut unvereinbar sieht der NABU das Töten eines Fuchses nur um des Tötens willen an. So manches erlegte Tier endet irgendwo im Wald verscharrt, doch auch und gerade für Beutegreifer sollte eine gewisse Jagdethik selbstverständlich sein. Die Regulation der Fuchsbestände sollte der Natur selbst überlassen, auf menschliche Eingriffe verzichtet werden. Viel wichtiger ist es, wieder eine abwechslungsreiche Kulturlandschaft zu schaffen, die sowohl für Meister Reineke, für seine natürlichen Feinde, wie zum Beispiel den Uhu, aber auch für viele andere Tier- und Pflanzenarten und natürlich den Menschen idealen Lebensraum bedeutet.

asa, NABU

Weitere Informationen des NABU Siegen-Wittgenstein zur Jagd finden sich in Berichten über den Rothirsch und den Dachs auf dieser Homepage.