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Der Rothirsch - Monarch mit schwieriger Zukunft

Zugegeben, es klingt ein wenig unheimlich, wenn der brummende, dumpfe Brunftschrei des Rothirsches in diesen Tagen durch den Wald hallt. Aber es ist immer ein besonderes Ereignis, den König der Wälder erleben zu können. Wie der NABU Siegen-Wittgenstein mitteilt, ist der Frühherbst die beste Zeit um Rotwild zu beobachten.

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Einen prachtvollen majestätischen Anblick bietet ein voll entwickelter starker Hirsch im Frühherbst
(Foto: Gerhard Sauer, NABU)

„Im Frühherbst ist Brunftzeit und dann wird der sonst so scheue Rothirsch zu einem wilden Draufgänger, den der Naturinteressierte in der Dämmerung hören und vielleicht sogar sehen kann. Dazu sollte aber keinesfalls querfeldein durch die Wälder gelaufen werden, denn diese Störungen nimmt nicht nur das Rotwild übel“, so Matthias Mennekes , Naturschutzreferent beim NABU (Naturschutzbund) Siegen-Wittgenstein.

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Für die Platzhirsche bedeutet die Brunft eine Zeit großer Anstrengung
(Foto: Gerhard Sauer, NABU)

 

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Während die weiblichen Tiere äsen und sich auf die Winterzeit vorbereiten, findet das männliche Tier im Konkurrenzkampf keine Ruhe
(Foto: Gerhard Sauer, NABU)

 

Nur für die Hochzeit kehrt der bis zu 150 kg schwer werdende und knapp mannshohe Geweihträger zurück zum Rudel der Weibchen. Den Rest des Jahres leben die männlichen Tiere entweder in kleinen Männer-Clubs oder als Einzelgänger. Wie so oft im Tierreich, hat Mutter Natur auch für den Hirsch die Regel aufgestellt: Nur der Starke darf sich fortpflanzen. Damit wird erreicht, dass möglichst kräftige und überlebensfähige Nachkommen gezeugt werden und die Art erhalten wird. Wer denn nun aber der Stärkste ist und als Platzhirsch den Weibchen den Hof machen darf, das wird in ernsthaften und kraftraubenden Kämpfen ermittelt. Dass es bei den eindrucksvollen Duellen nur selten zu ernsthaften Verletzungen kommt, liegt an der mehrendigen Konstruktion des Kopfschmuckes. Die Geweihe ineinander verhakt drücken und schieben sich die Hirsche, bis feststeht, wer seine Gene weitergeben darf. Mit dem Ende der Brunftzeit ist es schnell wieder vorbei mit der Herrlichkeit im Leben der Rothirsche. Ausgepumpt und erschöpft ziehen sich die Männchen zurück und müssen ihre Energiedepots für den Winter wieder auffrischen. Im Februar werden sie dann ihr Geweih abwerfen und ihre heimliche Zeit beginnt. Fünf Monate dauert es, bis das anfangs weiche und empfindliche Geweih ausgehärtet und gebrauchsfähig ist.

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Nur in der Brunftzeit treten das weibliche und männliche Tier als Paar auf
(Foto: Gerhard Sauer, NABU)

Nach ungefähr acht Monaten hat die Hirschkuh ihre ein bis zwei Jungen zur Welt gebracht. Die ersten Monate ihres Lebens verbringen die kleinen Rothirsche im schützenden Hort eines „Kahlwildrudels“. Diese Gruppen von weiblichen Rotwild leben in hochsozialen Gruppen. Angeführt von einer alten, erfahrenen Hirschkuh leben die verschiedenen Generationen einer Familie zusammen. Oft sind es 10 - 15 Tiere, manchmal sogar noch mehr, die eine solche Gruppe bilden. Aus der werden die jungen Männchen bald „aussortiert“, wohingegen die Weibchen beim Rudel bleiben. Dessen Leittier ist der Träger vieler wichtiger Informationen, z.B. über traditionelle Wanderwege, Futterplätze oder sichere Einstände. Obwohl das Rotwild eigentlich eine Tierart offener Landschaften war, wie z.B. ausgedehnte Steppengebiete, hat sich bei uns über Jahrhunderte das Leben des Rotwildes an den Lebensraum Wald angepasst und der Art einen Platz in der heimischen Fauna gesichert.

 

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Von Volnsberg aus kann man bis ins Rothaargebirge und in den Westerwald blicken. Unzerschnittene größere Waldgebiete bieten hier dem Rothirsch noch immer einen günstigen Lebensraum
(Foto: asa, NABU)

Matthias Mennekes vom NABU sagt dem Rotwild trotzdem eine schwierige Zukunft voraus: „Die vermehrte Isolierung der Populationen durch die Reduzierung der Lebensräume auf formal ausgewiesene Rothirsch-Gebiete und eine immer drastischere Zerschneidung zusammenhängender Waldgebiete durch Straßen und Zersiedelung können eine genetische Verarmung zur Folge haben.“ Auf der anderen Seite verursachen die Rothirsche im ohnehin schon kranken Wald große Schäden und verhindern mancherorts, dass der Wald sich auf natürliche Weise verjüngen kann. Eine verstärkte Bejagung soll die jungen Bäume vor dem Verbiss retten. In diesem komplexen Spannungsfeld, in dem sich der König der Wälder bewegt, versucht der NABU dazu beizutragen, Lösungen zu finden, die der natürlichen Verjüngung unserer Wälder ebenso Rechnung tragen, wie sie dem Rothirsch als Wildtier eine Überlebenschance eröffnen.

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Die zum Teile extreme Verinselung der Rothirschbestände und die Bedeutung des Kreises Siegen-Wittgenstein für den Rothirsch in Nordrhein-Westfalen wird anhand der Karte deutlich.
(Quelle: Ministerium für Umwelt, Raumordnung und Landwirtschaft des Landes NRW (Hrsg.): Jagd und Fischerei in Nordrhein-Westfalen. Münster 1999. S. 16)

„Dass ein Naturschutzverband wie der NABU sich nicht nur um gefährdete Tiere und Pflanzen kümmert, sondern auch um die Erhaltung jagdbarer Tierarten, liegt doch auf der Hand, denn schließlich sind in einem Ökosystem wie dem Wald die Beziehungen aller Tier- und Pflanzenarten miteinander vernetzt“. Außerdem kann der NABU, anders als z.B. Waldbesitzer oder Jäger, eine Wildart und die mit ihr auftretenden Konflikte neutraler sehen. Der größte Jagdverband betont zwar immer wieder, dass Jagd angewandter Naturschutz sei, aber zunächst nutzt die Jagd die Natur für sich aus, ähnlich wie dieses auch Land- oder Forstwirtschaft tun. Jagd kann, wenn sie nachhaltig und an ökologischen Erkenntnissen orientiert ist, naturverträglich sein, sie kann aber auch dem Naturschutz zuwiderlaufen, wenn z.B. einseitig bestimmte Tierarten überhegt und dadurch andere Tier- und Pflanzenarten beeinträchtigt werden.

 

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Ein beeindruckender 14ender bewacht aufmerksam sein Rudel
(Foto: Gerhard Sauer, NABU)

 

Aus diesem Grund unterstützt der NABU auch alle ernst gemeinten Bemühungen, z.B. seitens der Jägerschaft oder der Forstwirtschaft, die größte heimische Schalenwildart nach wildbiologischen Erkenntnissen zu managen. Der Blick auf kleinräumige Strukturen, wie beispielsweise auf das einzelne, meist nur relativ kleine Jagdrevier ist dabei nicht ausreichend, da Rotwild wesentlich ausgedehntere Verbreitungsgebiete hat. Rotwildbezirke und vor allem freiwillige Hegegemeinschaften sind hier sinnvoll, um die Bejagung in den beteiligten Revieren zu koordinieren. Leider steht aus der Sicht des NABU aber dabei noch immer das Streben nach möglichst großen Geweihen als begehrte Jagdtrophäen im Vordergrund. Eine wildbiologisch richtige Bejagung, mit Schwerpunkt bei den ganz jungen und ganz alten Tieren, die auch unter natürlichen Bedingungen bei Beutegreifern wie Wolf oder Bär zur bevorzugten Beute zählen, wird noch immer nicht konsequent genug umgesetzt. Der Forderung nach mehr Ruhe (sprich weniger Besucherdruck) im Wald schließt sich der NABU übrigens nur dann an, wenn dieses auch für den Jagddruck (sprich Beunruhigung durch die Anwesenheit der Jäger) gilt. Mittlerweile gibt es gesichterte Erkenntnisse, dass eine großräumige Bejagung an nur wenigen Tagen im Jahr im Rahmen von Bewegungsjagden sich viel weniger störend für die Wildtiere auswirkt als der permanente Einzelansitz während der gesamten Jagdzeit.

Im Winter kann das Rotwild seinen Nahrungsbedarf nicht absenken. Da auch kein Ausweichen in tiefere Lagen, z.B. in Flussauen mehr möglich ist, benötigt Rotwild bei uns eine Erhaltungsfütterung in Form von Heu, Grassilage oder Rüben. Andere Futtermittel wie z.B. Kraftfutter, oder Nahrungsmittelabfälle sind nicht zulässig und entsprechen auch nicht den natürlichen Nahrungsgrundlagen des Rotwildes. Wichtig ist aber auch, dass im Winter keine unnötigen Störungen erfolgen, um den Energiebedarf nicht noch zusätzlich zu steigern. Leider verlassen aber bei Schnee oft Wintersportler die Wege oder Loipen und scheuchen dabei Wild auf. Besonders abträglich und auch illegal ist das Sammeln von Abwurfstangen, weil Ende Februar und im März oft noch eine geschlossene Schneedecke liegt. „Also, liebe Waldbesucher, wenn Sie demnächst an einem Schild stehen, welches eine weiße Hand auf grünem Grund mit der Aufschrift BITTE NICHT BETRETEN zeigt, gehen Sie auch nicht weiter“, rät Matthias Mennekes vom NABU. „Es handelt sich um mit forstbehördlicher Genehmigung aufgestellte Sperrschilder, die aus gutem Grund für eine bestimmte Zeit Wildeinstände und Fütterungen sperren, um das Wild dort vor Störungen zu bewahren.“

Denn eines ist klar: Ohne wirklich „wilde“ Rothirsche wird die nordrhein-westfälische Natur ein großes Stück ärmer.

NABU Siegen-Wittgenstein

Weitere Informationen des NABU Siegen-Wittgenstein zur Jagd finden sich in Berichten über den Fuchs und den Dachs auf dieser Homepage.