Die Haselmaus - ein phänomenaler Winterschläfer„Bitte nicht stören!“ heißt die dringliche Devise für Tiere, die sich im Winterschlaf befinden. Darauf weist Jürgen Franke von der NABU-Ortsgruppe Freudenberg hin. Er erläutert am Beispiel der Haselmaus, warum eine Störung für Tiere im Winterschlaf lebensbedrohlich ist. Winterschlaf ist ein „Leben auf Sparflamme“, bei dem die Tiere in der unwirtlichen kalten Jahreszeit mit den Energiereserven auskommen müssen, die sie sich in Sommer und Herbst zugelegt haben. Zu einem echten Winterschlaf sind nur einige Säugetiergruppen befähigt – vertraut ist uns zum Beispiel der Igel, weniger bekannt sind die Bilche wie Siebenschläfer und Haselmaus.
Diese Haselmaus wurde versehentlich im Winterschlaf gestört. Trotz artgerechter Bemühungen um die Fortführung des Winterschlafs an geeigneter Stelle überlebte das Tier den Winter nicht, sondern ging im Frühjahr ein - vermutlich weil doch zu viel Energie bei der Störung verbraucht wurde. Geschehen in Neunkirchen, Siegerland. Sobald die Außentemperatur häufiger unter einen kritischen Wert von ca. 15 °C absinkt, wird bei der Haselmaus der Reiz zum Winterschlaf ausgelöst. In September oder Oktober suchen die Tiere bereits geschützte Winterquartiere in Erdspalten oder Baumhöhlen auf. Aber auch in verlassenen Nistkästen treten sie gerne die Nachmiete unserer Singvögel an. Der gesamte Stoffwechsel wird gedrosselt, Herzschlag und Atmung energiesparend verlangsamt (das Igelherz schlägt z.B. nur noch zweimal pro Minute). Die Körpertemperatur sinkt. Unsere Haselmaus fällt in einen tiefen, andauernden Schlaf. Dazu besitzt sie wie alle echten Winterschläfer ein spezielles Fettgewebe, welches ihr auch bei Frost soweit „einheizt“, dass sie nicht dem Kältetod erliegt. Wird es Frühjahr, muss der Stoffwechsel hochgefahren und der Körper auf Betriebstemperatur gebracht werden. Erst dann kann das Tier seine Aktivität wieder aufnehmen. Jedes zusätzliche Aufwachen aus dem tiefen Schlaf zehrt an den knappen Fettreserven, weshalb Störungen unbedingt zu vermeiden sind.
Gern nimmt die Haselmaus Meisenkästen als Winterquartier an - bitte auf keinen Fall stören! Deshalb rät Jürgen Franke vom NABU - Freudenberg: „Sollten Sie demnächst Zeit finden, Ihre Nistkästen zu reinigen und treffen diese überraschend bis zum Rande vollgestopft an mit Laub und Gras, so verschieben Sie bitte die Putzaktion auf’s Frühjahr. Wahrscheinlich hat sich nämlich eine Haselmaus eingenistet oder gar ein hierzulande seltener Vertreter der Bilche: ein Garten- oder Siebenschläfer. Jede Störung kann für das Tier tödlich sein!" Die Bilche oder Schlafmäuse gehören zu den Nagetieren. Der im Kreisgebiet verbreitetste Vertreter ist die Haselmaus. Sie misst ca. fünfzehn Zentimeter von Nasenspitze bis Schwanzende; ihr weiches Fell ist gleichmäßig gelbbraun, an Brust und Kehle weiß. Im südlichen Siegerland kommt außerdem vereinzelt der Siebenschläfer vor. Er ist der größte der heimischen Bilche und bekannt für seinen langen Winterschlaf von Oktober bis Mai. Den Gartenschläfer trifft man bei uns absolut selten an, eindeutig zu erkennen an seiner schwarzen Augenbinde. Alle drei Arten stehen in Deutschland unter Naturschutz.
Die Haselmaus ist unser kleinster heimischer Bilch und trotz des Namens keine Maus Wer einen Blick auf die possierlichen Tierchen erhaschen will, muss bis nächsten April oder Mai warten. Dann wecken die ersten lauen Temperaturen die verschlafenen Gesellen. Beste Beobachtungszeit ist die Dämmerung. Lieblingslebensraum der nachtaktiven Bilche sind lichte Laubwälder und buschiges Gelände. In unserer Gegend sind dies vor allem die Hauberge. Aber auch auf Streuobstwiesen und in naturnahen Obstgärtenkönnen Sie vielleicht Glück haben und eine Haselmaus bei ihren Kletterkünsten beobachten. Hier finden die Tiere einen reich gedeckten Tisch und fressen soviel wie irgend möglich, schließlich entscheidet die Dicke der angefressen Speckschicht, ob sie den Winter überleben werden. Übrigens kann jeder unseren Tieren durch den Winter helfen: über ein reiches Angebot an Fallobst und Beeren freut sich nicht nur die Haselmaus. Der NABU rät außerdem, das Laub im Garten zu belassen oder zu Haufen zusammen zu kehren. Die Blätter schützen den Lebensraum Boden ideal gegen Kälte und Austrocknen und schaffen Winterquartiere für vielerlei Gartenbewohner. Ins Haus gehört ein Winterschläfer nicht, denn selbst nach einer Störung ist seine Chance, im natürlichen Umfeld zu überleben größer als in warmen Menschenquartieren. Sollten Sie weitere Beratung zu unseren heimischen Wildtieren benötigen, hilft Ihnen der NABU Siegen - Wittgenstein (Telefon: 0271/ 484713, Email: Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann. ) gern weiter. Monika Nelson , NABU
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