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Heimische Fische - Verbreitung und Gefährdung

Wer kennt ihn nicht, den beruhigenden Augenblick, wenn man von einer Brücke hinab in ein fließendes Gewässer schaut? Sehr häufig bemerkt man nach einer Zeit ruhiger Betrachtung Fische, welche sich gern im Bereich von Brücken aufhalten. Bei der Bestimmung von Fischen haben jedoch die allermeisten Menschen Probleme. Zwar ist die Artenvielfalt unserer heimischen Fische etwa ähnlich groß wie die der heimischen Säugetiere oder Tagfalter. Im Unterschied zu diesen erfreuen sich Fische aber längst nicht einer so großen Popularität und bleiben, besonders die kleineren, daher eher unbekannt.

Wer sich über die Fischarten des Kreises Siegen-Wittgenstein näher informieren wollte, konnte am Mittwoch, dem 11.2.1998, im Umweltzentrum des Naturschutzbundes Deutschland (NABU), In der Hüttenwiese 30, einem Vortrag von Herrn Michael Frede (Mitarbeiter an der Biologischen Station Rothaargebirge), zuhören. Die Informationsveranstaltung war Teil einer regelmäßig stattfinden Vortragsreihe zu Themen des Natur- und Umweltschutzes, welche vom NABU ausgerichtet wird.

An der Ilse bei Feudingen haben Kinder Groppen gefangen und in einer Schirmkappe gesammelt. Gleich nach dem Schnappschuss werden sie wieder in die Freiheit entlassen.
(Foto: asa, NABU)

Frede legte in seinem Vortrag dar, dass von den gut vierzig Fischarten im Kreisgebiet 30 auf der Roten Liste der gefährdeten Arten zu finden sind. Grund für diese alarmierenden Zahlen ist vor allem eine vom Menschen verursachte Veränderung der Lebensräume unserer heimischen Fischarten. Hierzu zählen die Begradigung von Fließgewässern, Schotterabbau, die Verschüttung kleinerer Stillgewässer, welche oft seltene Kleinfischarten bergen, und die Verbauung durch Querriegel. Auch die Einbringung von Abwässern durch Industrie und Haushalte sowie der Düngereintrag durch die Landwirtschaft gefährden die Lebensbedingungen der Fische. So konnte festgestellt werden, dass bei einer Verbauung durch Querriegel bereits 15 cm unüberwindlich sind für die Groppe, einen unserer häufigsten heimischen Fische. Die Groppe ist in den sauberen Gebirgsbächen des südlichen Rothaargebirges glücklicherweise noch überall häufig anzutreffen. Dies ergab eine Untersuchung 1994, welche von Markus Fuhrmann (NABU) und Michael Frede durchgeführt wurde.

Aber auch für den Lachs, der durchaus Höhen von 5 m springend bewältigen kann, sind 3 Meter nicht zu überwinden, sofern der davor befindliche Kolk, also die Austiefung vor dem eigentlichen Hindernis, nicht genügend Anlauf und Tiefe bietet. Wer hätte gedacht, dass der allseits geschätzte Edel-Speisefisch ein früher häufig anzutreffender Besucher unserer Fließgewässer war, dass die Stadt Bad Laasphe (Laasphe = Lachsfluss) diesem Tier ihren Namen verdankt. Außerhalb des Kreisgebietes, im Unterlauf der Sieg muss es den Lachs früher in wirklich verschwenderischem Maße gegeben haben. Gesindeordnungen sahen vor, dass Lachs als Speise für die sogenannten "einfachen" Leute nicht mehr als dreimal in der Woche gereicht werden durfte.

Im Zusammenhang mit dem Projekt Lachs 2000 konnte Frede aber auch berichten, dass es positive Entwicklungen bei Gewässeröffnungen (Bau von Fischtreppen, rauhen Rampen, etc.) gegeben hat. Die Öffnung von Siegwehren für die Lachse, ihre Aussetzung in Bächen haben bereits Erfolge gezeigt, denn es konnten erste Laichgruben und natürlich herangewachsene Jungtiere nachgewiesen werden. Ziel des Projekts soll es sein, dass die Sieg auf der ganzen Strecke wieder für den Lachs passierbar sein wird.

Frede konnte in seinem Vortrag im NABU - Umweltzentrum als positives Beispiel eines heimischen Fließgewässers außerdem auf die Benfe aufmerksam machen, die noch in der Lage ist, Mäander zu bilden und ihre Wasser über die Ufer treten zu lassen. Die überschwemmten Gebiete weisen im Krautbereich wertvolle Laichplätze für die Fische auf. Andererseits bewiesen Dias über den Verlauf der Heller die Bedeutung von angeschwemmten Totholzansammlungen. Sie bieten im zeitigen Frühjahr wichtige Unterschlupfmöglichkeiten für die frisch geschlüpfte Fischbrut.

Nicht alle u. U. durchaus gut gemeinten Maßnahmen zum Schutz der heimischen Fischarten sind jedoch hilfreich. Als schwerwiegender Fehler ist z.B. zu werten, wenn nach dem Abbau von Schotter aus heimischen Flüssen, neuer scharfer Schotter als Ausgleich wieder in die Gewässer eingebracht wird. Eine Laichmöglichkeit der Fische im Bereich dieses Substrats ist nicht mehr gegeben, im Gegenteil hat sich das neue Material als Ursache von Verletzungen herausgestellt.

Ein Vortrag von Michael Frede, Biologische Station Rothaargebirge,
zusammenfasst von asa, NABU