Die Wespenspinne im Kreis Siegen-Wittgenstein Die Verbreitung der Wespenspinne im Kreisgebiet (2001) _____________________________________________ Die Verbreitung der Wespenspinne im Kreisgebiet
Einleitung Wespenspinnen - Weibchen mit abnormalen Stabilimenten, Geisweid-Schießberg Die Wespen- oder auch Zebraspinne ( Argiope bruennichi, SCOPOLI, 1772) ist aufgrund der Größe der Weibchen mit bis zu 18 mm Länge und ihrer kontrastreichen Färbung - gelb-schwarz quergebändertes Opisthosoma und silbrig, weiß behaartes Prosoma - eine der größten und auffälligsten Radnetzspinnen (Mittel)-Europas. Diese thermophile Art, deren Vorkommen in Deutschland bis etwa 1900 auf den Oberrheingraben, das Rhein-Main-Gebiet und den Großraum Berlin beschränkt waren, begann mit der Klimaveränderung in Mitteleuropa ab Mitte der dreißiger Jahre eine bis heute anhaltende Arealerweiterung (z.B. BELLMANN 1992, KORDGES & KRONSHAGE 1995b u. 1997). Im Zuge dieser Erweiterung gab es die ersten westfälischen Nachweise 1976 und 1988 (KORDGES & KRONSHAGE 1995b). Material und Methode Durch eine Umfrage zum Vorkommen der Wespenspinne in NRW (KORDGES & KRONSHAGE 1995a) und einer ersten Darstellung der Verbreitung (KORDGES & KRONSHAGE 1995b) auf die Spinne aufmerksam geworden, wurde verstärkt nach Vorkommen im Kreis Siegen-Wittgenstein gesucht. 1998 erfolgte ein Aufruf zur Mitarbeit bei der Erfassung der Bestände (DIENER 1998).
Ergebnisse Erste Nachweise aus dem Kreis Siegen-Wittgenstein liegen aus den Jahren 1992 und 1993 vor (KORDGES & KRONSHAGE 1995b). Weitere Nachweise von Einzeltieren wurden bis 1997 gemeldet. 1998 konnten dann erste Populationen beobachtet werden. Wespenspinnen - Männchen mit nur sechs Beinen, Geisweid-Schießberg
Zwischen Geisweid und Birlenbach wurde eine Population mit 73 Weibchen entdeckt und eine zweite in Wilnsdorf-Rudersdorf im gleichen Jahr mit 20 Tieren, darunter drei Männchen ( HARTMANN briefl.). Zwei weitere Fundorte für 1998 mit je drei Weibchen lagen in Oberholzklau und zwischen Langenholdinghausen und Meiswinkel. 1999 waren in dem Gebiet zwischen Geisweid und Birlenbach noch 5 Weibchen anzutreffen und in einem Neubaugebiet in Geisweid/Schießberg 7 Weibchen und 46 Kokons. Eine Kontrolle der anderen Vorkommen aus 1998 blieb ohne Nachweise, es wurden also 1999 bedeutend weniger Tiere gefunden. Bisher konnten an dem oben erwähnten Fundort zwischen Geisweid und Birlenbach 1996, 1998 und 1999 wiederholte Beobachtungen protokolliert werden. Netzanlagen, Netzhöhe und Netzgröße, sowie bisherige Kokonfunde werden dokumentiert. Eine Verbreitungskarte (Abb. 1) auf Sechzehntel MTB-Basis gibt die Anzahl der Fundorte und Individuen bis 1999 wieder. Bisher wurden für unser Kreisgebiet 21 Fundorte mit insgesamt 127 Individuen nachgewiesen. Die Anzahl der besetzten Sechzehntel beträgt 16 von 181, dies entspricht 9 %.
Zwei Fundorte (Setzen, MTB 5014/3.1 und Sohlbach-Buchen, MTB 5013/4.2) sind nach der typischen Netzform bestimmt worden. Abb. 2 veranschaulicht die Höhenverbreitung der Fundorte über NN im Kreis Siegen-Wittgenstein. Abb. 3 gibt eine Übersicht zur Höhenverteilung der Spinnennetze in der Vegetation wieder und Abb. 4 die Flächengrößen der Netze. In Abb. 5 wird die Höhenverteilung der Kokons in der Vegetation dargestellt. In Tab. 1 werden alle Beobachtungen bis einschließlich 1999 aufgelistet und Tab. 2 enthält eine Zusammenstellung der Beutetiere.
Status
Wespenspinnen - Weibchen im Netz (Unterseite), zwischen Geisweid und Birlenbach (Foto: Uwe Diener, NABU)
98 % (n = 122) der gefundenen und mit Geschlecht angegebenen Tiere waren Weibchen. Grund ist wohl in erster Linie der Größenunterschied zwischen Männchen und Weibchen. Die männlichen Spinnen erreichen nur eine Größe von 4 - 6mm und dürften damit leicht übersehen werden.
Höhenverbreitung der Fundorte im Kreis Siegen-Wittgenstein
Bemerkenswert sind die bislang höchsten Fundorte von Einzeltieren im Kreis mit 510 m über NN bei Bad Berleburg 1993 und mit 600 m über NN bei Erndtebrück im gleichen Jahr (DÜSSEL-SIEBERT in KORDGES & KRONSHAGE 1995b). SACHER & SEIFERT (1996) geben für den Harz in Lagen über 500 m ebenfalls nur Einzeltiernachweise an und weisen darauf hin, daß diese Einzeltiere in ihrer Individualentwicklung deutlich zurückgeblieben waren. Auch auf die Bedeutung klimatischer Einflussgrößen als limitierenden Faktor für die Höhenverbreitung der Wespenspinne wird eingegangen. Habitat Die im Kreis Siegen-Wittgenstein beobachteten Wespenspinnen wurden in sehr unterschiedlichen Lebensräumen angetroffen. KORDGES & KRONSHAGE (1995b) deuten ebenfalls auf ein bemerkenswert breites Spektrum der Lebensräume hin: vom Hochmoor mit Pfeifengras und Wollgras über silikatische Ginsterheide, trockene bis feuchte Mähwiesen mit Sumpfkratzdisteln bis hin zu wechselfeuchten und feuchten Weiden und Brachen entlang von Bächen. Bemerkenswert sind die vier Funde in Blumengärten, wobei BELLMANN (1994) solche Funde als "gelegentlich" erwähnt. Habitate mit Kokonfunden sind bisher eine wechselfeuchte Mähweide entlang eines Baches und trockene Wiesen als Restparzellen zwischen Häusern eines Neubaugebiets in Geisweid/Schießberg. Höhenverteilung der Netze in der Vegetation. Die Punkte geben die Prozentzahlen an.
Kokonfunde Höhenverteilung der Kokons in der Vegetation Bisher liegen aus unserem Gebiet zwei sichere Nachweise von Kokons vor. Am 07.10.1996 konnte in dem vom Verfasser untersuchten Gebiet zwischen Geisweid und Birlenbach ein Weibchen im Netz oberhalb des Birlenbaches entdeckt werden. Vier Tage später, am 11.10.1996, wurde in 30 cm Entfernung vom ersten Netzstandort ein Eikokon gefunden, der an Rohrglanzgras (Phalaris arundinaceae ) verankert war. Der Kokon war 35 cm über dem Boden befestigt. Der zweite Nachweis stammt aus dem Jahre 1999, wo am 26.09. in dem oben erwähnten Neubaugebiet sieben Kokons gefunden wurden und am 24.10. auf anderen Parzellen des Gebietes weitere 39 Kokons. Bei dieser Beobachtung wurden auch zwei Spinnenweibchen registriert, die ohne eigentliches Fangnetz vor den Kokons saßen und diese bewachten. Die Verteilung der Kokons in der Vegetation ergab, daß 30 Kokons an Gras befestigt waren. Acht Anlagen befanden sich an Ginster, wobei ungewöhnlich war, daß ein Kokon 66 cm und ein anderer 94 cm hoch befestigt und beide sehr leicht von Freßfeinden zu sehen waren, An Ginster/Gras wurden fünf Kokons und weitere drei waren an Doldengewächse angebracht. Kokonnachweise liegen aus Höhen von 260 m und 280 m über NN vor. Ein echter Reproduktionsnachweis - ausgeschlüpfte Jungtiere - konnte bisher noch nicht erbracht werden.
Netzanlage, Netzhöhe und Netzfläche
Aufteilung der Netzflächen bei der Wespenspinne - Argiope bruennichi Die Netzhöhen über dem Boden (Abb. 3), gemessen an der Mittelnabe des Netzes, lagen zwischen 19 cm und 70 cm (n = 89). Die Anlagen der Netze ist angepaßt an den Lebensraum der Beutetiere. Netze werden bevorzugt dort angelegt, wo sich Trittspuren und Pflanzenarten mit niedrigem Wuchs, wie z.B. Spitzwegerich (Plantago lanceolata), Breitwegerich (Plantago major), Huflattich (Tussilago farfara), Acker-Kratzdistel (Cirsium arvense), befinden oder aus anderen Gründen die Vegetation niedergedrückt ist. Die Unterkante reicht meist bis zum Boden, bzw. der Höhe der niedrigen Vegetation unter dem Netz. Spinnennetze über Kuhdung konnten viermal (5 %) gefunden werden. In der Population zwischen Geisweid und Birlenbach wurden folgende Individualabstände gemessen: 1x 37 cm, 1x 47 cm, 2x 60 cm, 1x 80 cm. Charakteristisch für ein Wespenspinnennetz ist ein zickzackförmiges Gespinst, das sich senkrecht oberhalb und unterhalb der Mittelnabe befindet, wo stets die Spinne sitzt, um bei Beunruhigung das ganze Netz in Schwingungen zu versetzen, was den vermeintlichen Freßfeind irritieren soll, da diese Schwingungen die Spinne als unscharfes, hell-dunkles Etwas erscheinen lassen. Bei vier Netzen (5 %, n = 77) der Population zwischen Geisweid und Birlenbach war dieses Stabiliment nicht senkrecht, sondern rund, wobei der Kreis unten immer ca. 5 mm offen war (DIENER 2000). Die Durchschnittsfläche der gemessenen Netze (n=67) betrug 712 cm2 (Abb. 5).
Nahrung
Die Nahrung der Wespenspinne im Kreis Siegen-Wittgenstein besteht wie auch in der Literatur angegeben (z. B. BELLMANN 1992) hauptsächlich aus Heuschrecken. Von den bei uns ausgewerteten Beutetieren konnten 53 % der Ordnung Saltatoria zugeordnet. Neben den Heuschrecken waren die Hautflügler (Hymenoptera) mit 16 % und die Zweiflügler (Diptera) mit 13 % die weiteren Hauptnahrungsquellen. Bei den Schmetterlingen (Lepidoptera), die 9 % der Gesamtbeute erreichten, ist zu erwähnen, daß die beiden Rostbraunen Ochsenaugen (Pyronia tithonus) im jeweiligen Netz starke Beschädigungen verursachten. Weiter waren die Pflanzensauger (Homoptera) mit 5 %, die Käfer (Coleoptera) mit 2 % und die Schnabelfliegen (Mecoptera) mit einem Prozent vertreten. HARTMANN (briefl.) gibt verschiedene Feldheuschrecken (Acrididae), viele Honigbienen und Schwebfliegen (Syrphidae) an, ohne genaue Anteile zu nennen.
Diskussion KORDGES & KRONSHAGE (1995b u. 1997) nehmen eine Besiedlung des Kreises Siegen-Wittgenstein vorrangig über die Hessische Senke entlang des Lahntals an, schließen aber eine Ausbreitung durch das Siegtal aufgrund zahlreicher Funddaten aus der unteren Siegaue nicht aus. Die ersten Nachweise der Wespenspinne stammen aus Wittgenstein im Osten des Kreises. Leider sind seit 1997 aus Wittgenstein keine Meldungen mehr eingegangen. Die deutliche Zunahme an Fundorten und Exemplaren im Siegerland beruht zweifelsohne auf die verstärkten Aktivitäten ab 1995, so daß ebenfalls keine genaue Aussage über die Besiedlung gemacht werden kann. Die Beobachtungen mehrerer Tiere bis hin zu großen Populationen ab 1998 decken sich mit dem vermehrten Auftreten größerer Populationen in anderen Teilen Nordrhein-Westfalens (KORDGES mündl.). Wespenspinnen - Weibchen, im Hintergrund ein Eikokon, Geisweid-Schießberg
Da die Bestandsdichte der Wespenspinne eng mit dem Witterungsverlauf zusammenhängt und erheblichen Schwankungen unterworfen ist, kann sie zur Zeit wohl noch nicht als fester Faunenbestandteil unseres Kreises angesehen werden. Deshalb sollte auch weiterhin auf die Ausbreitung bzw. die Bestandsschwankungen geachtet werden, zumal erst zwei gesicherte Nachweise über Kokons vorliegen und in 1999 sehr wenige Spinnen zu beobachten waren. Durch die Fähigkeit der Jungspinnen, sich mit dem sogenannten "balloning" verbreiten zu können (nach Erklettern höherer Punkte sich mit dem Wind treiben zu lassen), kann trotz der oben genannten Schwierigkeiten bei entsprechenden Witterungsverhältnissen weiterhin mit einer Ausbreitung gerechnet werden. Eikokon der Wespenspinne, Geisweid-Schießberg Interessant wäre auch ein Vergleich mit der Ausbreitung und Etablierung anderer, in der Literatur als wärmeliebend beschriebener Arten, wie z.B. der Gemeinen Sichelschrecke (Phaneroptera falcata) (DÜSSEL-SIEBERT & FUHRMANN 1993), der Bodenwanze Horvathiolus superbus (DÜSSEL-SIEBERT 1997), der Streifenwanze (Graphosoma lineatum) und der Gallischen Wespe (Polistes dominulus) (FUHRMANN 1999), die im Kreis Siegen-Wittgenstein seit einiger Zeit zu beobachten sind.
Aufruf zur weiteren Mitarbeit Um die Wespenspinne als ein eindeutiges Faunenelement unseres Kreises zu bestätigen, bedarf es weiterer Untersuchungen zur Ausbreitung, Bestandsentwicklung, Bestandsetablierung und Reproduktion. Deshalb sind auch weiterhin Meldungen - ältere Daten natürlich auch - von großem Interesse.
Dank Denjenigen, die mir ihre Daten überlassen haben, gilt mein besonderer Dank, da ohne diese Meldungen eine Verbreitungsübersicht nicht möglich gewesen wäre. Herrn Thomas KORDGES, Sprockhövel, danke ich herzlich für die kritische Durchsicht des Manuskriptes und wertvolle Anregungen, Verbesserungen und Hinweise, sowie für die zur Verfügung gestellte Literatur. Herrn Michael FREDE, Biologische Station Rothaargebirge Erndtebrück danke ich für das Kartenmaterial.
Literatur BELLMANN, H. (1992): Spinnen - beobachten, bestimmen. - 2. Aufl. Naturbuch - Verlag, Augsburg. - BELLMANN, H. (1994): Spinnen - die wichtigsten heimischen Arten, Extra: Netzformen und Eikokons. - 1. Aufl. Stuttgart - Franckh-Kosmos. - DIENER, U. (1998): Umfrage Vorkommen der Wespenspinne Argiope bruennichi im Siegerland. - Natur und Umwelt in Siegen-Wittgenstein, Zeitschrift des NABU und BUND, 6, Heft 2: 7. - DIENER,U. (2000): Beobachtungen zur Stabilimentvariabilität bei adulten Weibchen der Wespenspinne (Argiope bruennichi) im Kreis Siegen-Wittgenstein (NRW). - Arachnol. Mitt. 20: 57-57. - DÜSSEL-SIEBERT, H. & M. FUHRMANN (1993): Heuschrecken und Grillen.- Beiträge zur Tier- und Pflanzenwelt des Kreises Siegen-Wittgenstein, Band 1. - DÜSSEL-SIEBERT, H. (1997): Nachweis der wärmeliebenden Bodenwanze Horvathiolus superbus (Pollich, 1779) im Kreis Siegen-Wittgenstein (NRW).- Beiträge zur Tier- u. Pflanzenwelt des Kreises Siegen-Wittgenstein, Band 4, 24 - 25. - DÜSSEL, H. & M. FUHRMANN (1993): Erstnachweise der Gemeinen Sichelschrecke Phaneroptera falcata (Poda) (Saltatoria: Tettigioniidae) und der Roten Keulenschrecke Gomphocerus rufus (L.) (Acrididae) im Kreis Siegen-Wittgenstein (Nordrhein-Westfalen). Natur u. Heimat 53 (3): 75 -76.- FUHRMANN, M. (1999): Wärmeliebende Tierarten im Kreis Siegen-Wittgenstein. - Natur und Umwelt in Siegen-Wittgenstein, Zeitschrift des NABU und BUND, 7, Heft 1: 11 - 12. - KORDGES, T. & A. KRONSHAGE (1995a): Umfrage zum Vorkommen der Wespenspinne (Argiope bruennichi) in NRW.- Naturschutz heute, 2/95, Naturschutz in NRW, XXIV. - KORDGES, T. & A. KRONSHAGE (1995b): Zur Verbreitung der Wespenspinne (Argiope bruennichi) in Westfalen (Arachnida : Araneae). - Natur u. Heimat, 55 Jahrg., Heft 3: 71 - 78. - KORDGES, T., KRONSHAGE, A., GREISSL, P. & A. VOGELEI (1997) : Zur Verbreitung der Wespenspinne (Argiope bruennichi) im Rheinland (Nordrhein - Westfalen). - Natur am Niederrhein (N.F.) 12 (1): 20 - 25. - SACHER, P & S. SEIFERT (1996): Zur Höhenverbreitung der Wespenspinne Argiope bruennichi im Harz (Araneida: Araneidae). - Abh. Ber. Mus. Heineanum 3: 67 - 77.
Uwe Diener, NABU Erstveröffentlichung des Aufsatzes in: Natur und Heimat, 61. Jahrg., Heft 1, 2001 Weitere interessante Informationen zum Thema finden sich unter _____________________________________________
Beobachtungen zur Stabilimentvariabilität bei adulten Weibchen der Wespenspinne (Argiope bruennichi) im Kreis Siegen-Wittgenstein (NRW) - Oktober 2000 Abstract: Stabilimentum variability in the webs of adult female Argiope bruennichi Bei einer Bestandserhebung im Zusammenhang mit der weiteren Ausbreitung der mediterran-subatlantischen Wespenspinne in Nordrhein-Westfalen konnten im Kreis Siegen-Wittgenstein (DIENER s.o.) die folgenden Beobachtungen gemacht werden. 1998 wurde zwischen Geisweid und Birlenbach MTB 5013/4.4 eine Population mit 73 Weibchen gefunden. Die Netzanlagen (n=77) wurden nach Netzfläche und Höhe über dem Boden vermessen. Charakteristisch für ein Wespenspinnennetz sind die beiden senkrechten Stabilimente ober- und unterhalb der Nabe. Bei vier Netzen (5,2%) waren diese Stabilimente nicht senkrecht, sondern als Zickzackband rund, wobei der Kreis unten immer ca. 5 mm offen war. Die Funddaten der Netze mit runden Stabilimenten waren der 17./18. und 28. August. Die Größen der Netzflächen lagen im Bereich der Durchschnittsgröße der vermessenen Netze. KREUELS (briefl.) sind Netzänderungen aus chemisch kontaminierten Gegenden bekannt. Diese Ursache trifft hier nicht zu, da die Wiesen zum Teil nicht genutzt werden und zum anderen der Viehhaltung dienen und nicht mit Spritzmitteln behandelt werden. Behandelte Äcker sind in der Nähe ebenfalls nicht vorhanden. SACHER (1991) berichtet in seiner Arbeit über rudimentäre Radnetze bei adulten Männchen der Wespenspinne, dass die Männchen bis zum Erreichen der Geschlechtsreife Radnetze mit Stabilimenten weben, die entweder nach oben und unten verlaufen oder als dichte, circuläre Struktur aus bis zu 6 Bändern bestehen. Abb. 4 in seiner Arbeit zeigt ein unreifes Weibchen mit einer Kombination aus circulären Strukturen und dem von der Nabe aus nach oben und unten verlaufendem Zickzackband im Netz. Des Weiteren gibt er an, dass noch adulte Männchen Radnetze weben, deren Stabilimente von der Nabe aus nach oben und unten verlaufen oder nur 1 Band nach unten haben. Eine dritte Variante ist das Fehlen des Stabiliments. MALT (briefl.) ist eine kreisförmige Stabilimentstruktur bei Weibchen nur in juvenilen Entwicklungsstadien im Zeitraum Ende Mai/Juni bekannt. Subadulte und adulte Radnetze der Weibchen in der von ihm beobachteten Population im Leutratal bei Jena wiesen zweiarmige Stabilimente auf. Als Grund der beschriebenen runden Stabilimente adulter Weibchen vermuten KORDGES (mündl.) und KREUELS (briefl.) eine Störung des Verhaltensmusters. MALT (briefl.), der sich eingehend mit der Wespenspinne befasst hat, interpretiert solche Anlagen als eine wahrscheinlich alterungsbedingte Änderung des Verhaltensmusters beim Netzbau während des letzten Lebensabschnitts von Argiope-Weibchen. Bei den 1999 kontrollierten Netzen (n=12) konnten keine runden Stabilimente gefunden werden. Lediglich zwei Netze hatten am 26. September das Stabiliment nur unterhalb der Nabe. MALT (briefl.) fand solche Netze ebenfalls in der von ihm beobachteten Population und führt an, dass gegen Ende der Reifeperiode etwa ab Ende August die Zahl der zweiarmigen Stabilimente stark abnahm. Herrn Dr. Steffen MALT, Jena gilt mein besonderer Dank für seine ausführlichen Anmerkungen zur Problematik der Stabilimentvariabilität und der kritischen Beurteilung der Beobachtungen. Herrn Dr. Martin KREUELS, Münster danke ich für den konstruktivenBriefwechsel mit vielen Anmerkungen und Anregungen. LITERATUR SACHER, P. (1991): Rudimentäre Radnetze bei adulten Männchen der Wespenspinne Argiope bruennichi. - Veröff. Naturhist. Mus. Schleusingen 6: 30-38 Uwe Diener, NABU Erstveröffentlichung in: Arachnol. Mitt. 20:56-57, Basel, Oktober 2000, S. 56-57 |
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