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    Die Goldammer - Vogel des Jahres 1999

    Der Bundesverband des Naturschutzbundes Deutschland (NABU) hat die Goldammer (Emberiza citrinella L) zum Vogel des Jahres 1999 ausgewählt. Mit der Vorgängerin, der Feldlerche, hat sie vieles gemeinsam, denn beide sind Charakterarten der landwirtschaftlich geprägten Kulturlandschaft Mitteleuropas. Mit der Wahl zum Jahresvogel will der NABU erneut auf die zunehmende Zerstörung des reich strukturierten Extensivgrünlandes hinweisen.

    Wunderschön harmonieren die Braun-Goldtöne im Gefieder der Goldammer
    (Foto: Friedhelm Adam, NABU)

    Die Goldammer ist in Deutschland mit rund 2 Millionen Brutpaaren noch erfreulich gut vertreten. Dennoch sind in einigen Bereichen Mitteleuropas und auch des Kreisgebietes Rückgänge zu verzeichnen. Dramatische Einbrüche werden unter anderem aus Norddeutschland, Belgien und den Niederlanden gemeldet, wo die Art schon in die Rote Liste aufgenommen werden musste. Im Kreis Siegen-Wittgenstein ist die Art zwar noch flächig vorzufinden, aber auch hier sind stellenweise starke Abnahmen zu verzeichnen. Dr. Hartmut Müller und Armin Schol haben bei ihren Langzeitbeobachtungen auf dem Giller bei Lützel festgestellt, dass der spatzengroße Vogel in den Jahren 1988 bis 1991 regelmäßig brütete und seit 1992 aus dem Gebiet als Brutvogel verschwunden ist. Gründe für das Ausbleiben der Ammer sind nicht festzustellen. Im Krombachtal bei Kreuztal konnten 1991 auf einer etwa 30 ha großen Fläche noch 3 bis 4 Reviere festgestellt werden. Demgegenüber sang 1997 nur noch eine Goldammer auf derselben Fläche.

    Der Gehölzrand - typischer Lebensraum der Goldammer
    (Foto: Jürgen Sartor, NABU)

    Gründe für diesen Rückgang war vermutlich eine übertriebene Pflege von allen wegbegleitenden Randstreifen, die im Verlauf der Jahre bis zu dreimal jährlich abgemäht wurden. Denn gerade die extensiven wenig gepflegten Randstreifen entlang von Wegen, Äckern und Gewässern bieten der Goldammer ideale Nahrungshabitate. Grundsätzlich sind höhere Revierdichten in Bereichen von ländlich und reich strukturierten Gebieten des Kreises zu erwarten als in der Nähe von dichter Bebauung. Doch die Veränderungen der waldlichen Nutzung durch den Umbau der Niederwälder in geschlossene Dauerwaldbestände und der Verzicht von Kahlschlägen machen dem Vogel zu schaffen, da seine natürliche Heimat die aufgelockerte Waldsteppe war.

    Ein singendes Goldammernmännchen
    (Foto: NABU)

    "Wie, wie, hab' ich dich lieb" - so wird der charakteristische Ruf der Goldammer im Volksmund wiedergegeben. Manch einer meint auch einen Anklang an das Grundmotiv in Beethovens 5. Sinfonie heraushören zu können : "zi-zi-zi tüh".

    Jürgen Sartor vom NABU Siegen-Wittgenstein weiß allerdings, dass es die Goldammer beim Gesangsvortrag nicht so genau nimmt. "Das Lied kann individuell früher abgebrochen oder in den Anfangslauten ausgedehnt werden", referierte der NABU-Experte in seinem Vortrag im Umweltzentrum Anfang Mai 1999 über den heimischen Singvogel. Im Kreisgebiet kann man die Goldammer noch leicht beobachten, denn der Vogel des Jahres - ursprünglich ein Bewohner der Waldsteppe - kommt in der abwechslungsreich gegliederten Kulturlandschaft gut zurecht.

    Besonders die Männchen sind leicht am gelben Kopfgefieder zu erkennen. Je älter ein Männchen ist, desto kräftiger erscheint die goldgelbe Färbung. So erklärt sich auch der wissenschaftliche Name des kleinen Vogels "Emberita citrinella", d.h. der Zitronenfarbene. Sofern die Goldammer offenes Gelände vorfindet und wenigstens einige wenige höhere Büsche oder Bäume, von denen aus sie ihren Gesang erklingen lässt, richtet sie sich ein. Meist nistet sie am Boden oder in Bodennähe, selten bis in 2 m Höhe, am sichersten in der Vegetation von Böschungen, Wegrändern oder Waldrändern versteckt. Bei Kartierungen, die vom NABU Siegen-Wittgenstein durchgeführt wurden, konnten logischerweise geringe Bestandsdichten in Waldgebieten, in Feuchtgebieten und im dicht besiedelten Kernbereich des Kreisgebietes festgestellt werden, dagegen liegen gute Zahlen für gebüschreiches Offenland vor, z.B. dem Gilsbachtal, der Lipper Höhe, der Trupbacher Heide u.a.

    Mit Vorliebe brütet die Goldammer am Boden
    (Foto: Jürgen Sartor, NABU)

    Wo Wiesen früh - zur Silagenutzung - gemäht werden, kann sich die Goldammer nicht halten, da ihr Gelege von den Maschinen zerstört wird.

    Jürgen Sartor vom NABU wusste weiter zu berichten, dass ein Rückgang des Goldammernbestandes im Bereich Krombach und auf dem Giller zu beobachten ist. Nicht immer sind die Gründe für solche Bestandsveränderungen zweifelsfrei zu klären. Aus Untersuchungen des NABU geht aber hervor, dass die langfristige Bestandsentwicklung von der Bewirtschaftung der Agrarlandschaft abhängt. In intensiv genutzten, aufgeräumten, artenarmen Flächen ist die Goldammer ganz verschwunden. Wo sich aber eine große Vielfalt von Ackerkräutern und anderen Wildpflanzen findet, stellt sich auch ein reichhaltiges Angebot an Sämereien und Insekten ein. In solchen Umgebungen findet sich dann auch der goldfarbene Singvogel wieder ein, übrigens ebenso wie der Feldhase, das Rebhuhn und viele andere heimische Lebewesen.

    Markus Fuhrmann und Angela Schween-Ante, NABU

     

    Quelle: www.nabu.de