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Der Haubentaucher - Vogel des Jahres 2001

Ein erfolgreiches Instrument der NABU-Öffentlichkeitsarbeit feiert Jubiläum - seit 30 Jahren wird der "Vogel des Jahres" gekürt, um Mitmenschen für den Schutz der Vögel und ihrer Lebensräume zu sensibilisieren. Und dennoch gibt es nach 30-jähriger Tradition ein Novum: erstmals fiel 2001 die Wahl auf einen Wasservogel, den Haubentaucher. Ziel ist es, auf die weiterhin aktuelle Gefährdung vieler Wasservögel und ihrer feucht-nassen Lebensräume hinzuweisen.

Zwei bis drei Paare des Haubentauchers haben sich an der Breitenbachtalsperre angesiedelt
(Foto: NABU/Rogl)

Viel früher hätte diese Nominierung des Haubentauchers auch nicht erfolgen dürfen - sonst hätten wir im Kreis Siegen-Wittgenstein den Vogel des Jahres nicht bewundern können! Der Haubentaucher gleitet nämlich erst seit 1994 majestätisch auf Siegerländer Wasser dahin, 1996 erfolgte am Niederlaaspher Weiher der Erstnachweis für Wittgenstein.
Seither prägen auch bei uns die weit übers Wasser schallenden Balzrufe die Frühjahrsstimmung an Breitenbach- und Obernautalsperre. In den letzten Jahren werden hier regelmäßig erfolgreiche Bruten nachgewiesen. Und im Vorstaubecken des Biggesees ist mittlerweile eine stattliche Population beheimatet.

Podiceps cristatus - so der wissenschaftliche Name des Haubentauchers - gehört zu der altehrwürdigen Familie der Lappentaucher. Und nur in der Antarktis gibt es keinen Vertreter dieser erfolgreichen uralten Familie. Warum uralt? Die ersten Lappentaucher - entfernte Ahnen des Haubentaucher - bevölkerten bereits vor 80 Millionen Jahren die Erde und machten damals noch die Bekanntschaft der späten Dinosaurier!

Namensgebend für die Lappentaucher sind ihre Schwimmfüße: Faltbare Schwimmlappen längs der drei Vorderzehen ermöglichen ein schnelles Vorwärtsschwimmen und Tauchen. Insgesamt ist der torpedoartig im Wasser liegende Haubentaucher ganz einzigartig an das feuchte Element angepasst. Schwimmend ragt nur ein schmaler Körperstreifen samt Hals und Kopf aus dem Wasser. Bei Störungen geht er blitzschnell auf Tauchstation. Als brillanter Unterwasserjäger kann er sogar Tauchgänge bis auf 60 m Tiefe durchführen. Und um die Tagesration von ca. 200 g Fisch und Insekten zu erbeuten, sind Haubentaucher oft die Hälfte des Tages mit der Jagd beschäftigt.

Haubentaucher auf den Meißendorfer Fischteichen bei Celle im blauen Licht des frühen Morgens
(Fotos: Michael Frede, NABU)

Wunderbar anzuschauen sind die Tiere, wenn sie jetzt nach dem Winter ihr prächtiges Brutkleid anlegen. Auffällig sind die markante schwarze Federhaube und die prächtige rostfarbene Hals-krause. Wenn dann in März und April zwei derart herausgeputzte Haubentaucher in geringem Abstand voneinander verharren und mit nach oben gereckten Hälsen heftig die Köpfe schütteln, dann ist die Balzzeit angebrochen. Die Geschlechter umwerben sich für einige Wochen mit vielen ritualisierten Verhaltensweisen, begleitet von quorrenden Rufen. Das wohl beeindruckendste Balzritual ist der sogenannte "Pinguintanz": Beide Partner schwimmen mit Pflanzen im Schnabel aufeinander zu, rudern energisch mit den Füßen und recken sich so - Brust an Brust - steil aus dem Wasser. Wer diese nicht so häufige Zeremonie beobachten möchte, sollte etwas Zeit mitbringen!

Ganz aktuell berichtet Reinhard Becker, Kreuztal, dass in den letzten Wochen an der Breitenbachtalsperre 2-3 Paare die Balz aufgenommen haben. Bedenklich ist jedoch der anhaltend niedrige Wasserstand. So sind vorjährige Nistplätze im ufernahen Weidengebüsch noch nicht "einzugsbereit", da sie zur Zeit nicht überflutet werden. Es bleibt somit abzuwarten, ob die Paare geeignete Nistplätze finden und das Brutgeschäft auf ihren typischen, an Wasserpflanzen verankerten Nestern beginnen können!

Und sollte dies der Fall sein, ist der Bruterfolg leider immer noch nicht gesichert: zwar beeinträchtigen hier keine Freizeitstörungen und Umweltgifte, jedoch sind die Wasserstandsschwankungen an Talsperren ein bedeutender limitierender Faktor. Sinkt der Wasserspiegel während der ca. 4-wöchigen Brutzeit (April/Mai), hängen die Nester plötzlich in der Luft und können von den brütenden Altvögeln nicht mehr aufgesucht werden. In der Vergangenheit verkümmerten schon Gelege aus eben diesem Grund. Erfolgreiche Gegenmaßnahmen gibt es bereits für andere Talsperren: Auf der Wasseroberfläche aufschwimmende, künstliche Plattformen werden als Ersatz-Nistplätze angeboten. Pegelschwankungen haben dann keine Auswirkungen mehr auf das Brutgeschäft.

Weitere Impressionen zum Vogel des Jahres 2001
(Fotos: Michael Frede, NABU)

Bei Bruterfolg wird man schließlich im Frühsommer huckepack-reitende Jungvögel beobachten können. Sie können zwar vom ersten Tag an schwimmen, werden aber zum Schutz vor Fressfeinden während der ersten Wochen von den Eltern im Rückengefieder transportiert. Diese füttern sie neben Insekten und kleinen Fischen mit den eigenen Federn, - ein Vorgehen, das wahrscheinlich dem Schutz der Magenwand gegen Verletzungen durch Fischgräten dient.

Abhängig vom Flüggewerden der Jungen setzt im Spätsommer die Mauser ein. Nach dem Wechsel vom Brutkleid in das unscheinbare Ruhekleid sind die Tiere aufgrund des gleichzeitigen Verlustes der Schwungfedern für drei bis vier Wochen flugunfähig. Auch in dieser Phase sollten Störungen unbedingt vermieden werden!

Grundsätzlich kann der Schutz des Haubentauchers als Exempel für viele Wasservögel stehen. Größtes Problem für alle Stillwasservögel heute ist der zunehmende Freizeitdruck. Das kräftezehrende Auffliegen bei Störungen durch Sportler und Erholungssuchende mindert die Überlebenschancen und den Fortpflanzungserfolg. Im 19. Jahrhundert wurde der Haubentaucher intensiv bejagt, da seine Federn so begehrt waren zur Herstellung der damals modisch-wärmenden Muffs. Zur Zeit genießt der Haubentaucher eine ganzjährige Schonzeit. Leider wird er mitunter immer noch (wie etwa Kormoran und Graureiher) von Fischern und Anglern als vermeintlicher Konkurrent angesehen. Unbefriedigend ist daher die Situation, dass der Haubentaucher - wie viele der Wasservögel - dem Jagdrecht unterliegt und somit theoretisch wieder zur Jagd freigeben werden kann. Daher fordert die NABU, die betreffenden Wasservogelarten aus dem Jagdrecht in das Naturschutzrecht zu überführen!

Vor einige Geheimnisse stellen die Haubentaucher unserer Region uns weiterhin: Gab es konkrete Auslöser für die Erstbesiedlung unserer Gewässer Mitte der 90er Jahre? Hatten sich damals Lebensraumbedingungen zugunsten des Haubentauchers verändert? Oder fällt sein Einzug ins Kreisgebiet einfach unter die allgemeine Arealausweitung, die in den letzten Jahrzehnten - etwa aufgrund von Schutzbemühungen und größerem Nahrungsangebot in eutrophierten Seen - zu beobachten ist? Und wo verbringen "unsere" Haubentaucher den Winter, wenn sie z.B. die zugefrorene Breitenbach-Talsperre verlassen? Oftmals sind sie nur für einige Tage verschwunden und treffen - Hellsehern gleich - punktgenau zum Auftau-Termin wieder ein. All diese Fragen können uns im "Jahr des Haubentauchers" begleiten und zu weiteren spannenden Natur-beobachtungen anregen!

Viel Spaß dabei!!

Monika Nelson, NABU

(siehe auch Ein Brutfloss für den Haubentaucher )

 

Quelle: www.nabu.de