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Artenschutz

Fledermausschutz in Wittgenstein

Fledermaus-Sommerkontrollen in Wittgenstein - Stand 2004

Ergebnisse der Winterkontrollen 2000 - 2004

Allgemeine Informationen zum Schutz der Fledermaus in Wittgenstein




Fledermaus-Sommerkontrollen in Wittgenstein - Stand 2004


Der Altkreis Wittgenstein, heute ein Teil des Kreises Siegen-Wittgenstein, liegt südlich und östlich des Rothaarkammes. Süden und Osten Wittgensteins grenzen an Hessen. Wittgenstein ist dünn besiedelt und überwiegend bewaldet (68%). Nur etwa 25% der Forstbäume sind Rotbuchen, der Rest fast ausschließlich Fichten.

kontr

kontr. Kästen

Zwerg-fleder-maus

Klein-abend-segler

Langohr

Wasser-fleder-maus

Mausohr

Fransen-fleder-maus

(75)

1991

2

2

(113)

1992

2

1

3

(172)

1993

7

4

1

1

13

(158)

1994

38

14

13

1

2

68

(214)

1995

36

12

8

1

1

58

(288)

1996

60

39

6

3

0

108

(331)

1997

109

18

19

1

3

4

154

(343)

1998

81

52

33

2

6

4

178

(358)

1999

42

50

36

12

12

152

(348)

2000

71

24

28

13

6

142

(344)

2001

65

55

21

1

15

5

162

(336)

2002

57

41

38

26

26

188

(379)

2003

82

39

31

5

24

23

204

2004

Anfang der 80er Jahre begann der NABU Wittgenstein, vorhandene (Vogel-)Nistkästen in den Waldungen zu kontrollieren und neue anzubringen. Dabei wurde auch Fledermauskot entdeckt. 1985 dann der erste Fund: 2 Zwergfledermäuse. Seitdem wurden gezielt Spezialkästen für Fledermäuse verwendet. NABU-Mitglied Günther Roth aus Bad Laasphe-Banfe hängte seit 1990 gruppenweise Spezialkästen in die Rotbuchenwälder, wo sie besonders am Oberhang gut von Fledermäusen angenommen werden. 1999 betreut Herr Roth 267 Kästen. Seit ihrer Gründung 1990 ist auch die Biologische Station Rothaargebirge mit Sitz in Erndtebrück an der Nistkasten-Aktion beteiligt. Seit 1991 sind die Kontrollen dokumentiert. Allmählich wurde den Aktiven klar, dass der beste Zeitpunkt zur Kontrolle die Paarungszeit der Fledermäuse ist. Ende August/Anfang September besetzen die Männchen hohle Bäume - und eben Nistkästen - um Weibchen anzulocken und sich mit ihnen zu paaren.

Auch der Bestand des Kleinen Abendseglers hat sich erfreulich entwickelt
(Foto: Belz, NABU)

Mit der Anzahl der Nistkästen steigt die Chance, dass sie von Fledermäusen besetzt werden. Die Nistkästen werden - von Kleinabendseglern und Braunen Langohren - auch zur Aufzucht der Jungen genutzt, den sogenannten Wochenstuben. Im Juni und Juli sind deshalb Kontrollen tabu.

Die Ergebnisse lassen folgende Schlüsse zu: Es ist zu einer Neubesiedlung oder Wiederbesiedlung der Wittgensteiner Wälder gekommen. Hessische Fledermäuse haben sich verleiten lassen, die suboptimalen Wittgensteiner Wälder mit Höhenlagen über 500 m NN zu besiedeln. Grund dafür dürften die warmen Sommer Anfang der 90er Jahre sein. Bei Kontrollen in den 80er Jahren hatten wir nur einige versprengte Zwergfledermäuse gefunden, die eigentlich in menschlichen Siedlungen zu erwarten sind.

Je mehr künstliche Nisthöhlen vorhanden sind, umso mehr Fledermäuse benutzen die "Eigenheime" und sind kontrollierbar. Hinzu kommen weitere Tiere, die in vorhandenen Baumhöhlen sitzen.

Das bislang erfolgreichste Jahr war 2002. In diesem Jahr konnte durch den Nachweis von subadulten Jungtieren die Fransenfledermaus erstmals als bodenständig nachgewiesen werden. Auch Zwergfledermäuse, Kleinabendsegler, Braune Langohren und Wasserfledermäuse haben in Wittgenstein Wochenstuben.

Albrecht Belz, NABU

Weitere wichtige Informationen über die Fledermaus finden sich unter "Service -> Beratung"
im Beitrag Das Fledermaus - Info - Telefon .


Ergebnisse der Winterkontrollen 2000 - 2004

Heinsberger Tunnel
Seit 1977 werden im Altkreis Wittgenstein ehemalige Bergwerke vom NABU - inzwischen in Verbindung mit der Biologischen Station Rothaargebirge - auf überwinternde Fledermäuse kontrolliert. Um die Tierchen nicht allzu sehr zu stören, erfolgt das in der Regel im Fünf-Jahres-Rhythmus.

Die Überwinterer wurden erfreulicherweise mit den Jahren immer mehr. Waren es Ende der 70er Jahre noch weniger als durchschnittlich 1 Tier pro Stollen, sind es inzwischen durchschnittlich 12! Der "Ausreißer" ist dabei ein früherer 1300 m langer Tunnel durch das Rothaargebirge, der streng genommen im Kreis Olpe liegt. Das liegt nicht nur daran, dass immer mehr Bergwerke wieder geöffnet und vergittert wurden, sondern an der allgemeinen - landesweiten - Wiederzunahme der Populationen.

Mit der Anzahl der Nistkästen steigt die Chance, dass sie von Fledermäusen besetzt werden. Die Nistkästen werden - von Kleinabendseglern und Braunen Langohren - auch zur Aufzucht der Jungen genutzt, den sogenannten Wochenstuben. Im Juni und Juli sind deshalb Kontrollen tabu.

Die Ergebnisse lassen folgende Schlüsse zu: Es ist zu einer Neubesiedlung oder Wiederbesiedlung der Wittgensteiner Wälder gekommen. Hessische Fledermäuse haben sich verleiten lassen, die suboptimalen Wittgensteiner Wälder mit Höhenlagen über 500 m NN zu besiedeln. Grund dafür dürften die warmen Sommer Anfang der 90er Jahre sein. Bei Kontrollen in den 80er Jahren hatten wir nur einige versprengte Zwergfledermäuse gefunden, die eigentlich in menschlichen Siedlungen zu erwarten sind.

Besonders erfreulich ist die Zunahme der Mausohren. Ende der 70er Jahre fanden wir höchstens zwei Exemplare pro Winter. Aber auch andere Arten haben ihren Bestand nach dem dramatischen Rückgang in den 60er und 70er Jahren (Pestizid-Einsatz, Verschließen von Sommer- und Winterquartieren) wieder steigern können.

Am häufigsten überwintert in Wittgenstein die (Kleine) Bartfledermaus, eine Art, die aus dem Flachland zufliegt und hier im Sommerhalbjahr so gut wie nicht auftritt.

Nie fanden wir bei den Winterkontrollen eine Zwergfledermaus - die Art, die im Sommer die mit Abstand häufigste ist. Sie überwintert offenbar in Häusern.

Weitere wichtige Informationen über die Fledermaus finden sich unter "Service -> Beratung" im Beitrag Das Fledermaus - Info - Telefon sowie über den kreisweit agierenden Fledermaus-Artenschutz im Beitrag Der Arbeitskreis "Fledermäuse" des NABU SiWi .

Albrecht Belz, NABU Siegen-Wittgenstein

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