NaturschutzgebieteDas Elberndorftal - ein Naturentwicklungsgebiet stellt sich vor
Der einfarbig, kräftig orange gefärbte Dukatenfalter gilt als stark gefährdete Art
(Foto: Schween-Ante, NABU)
Eins der jüngsten und gleichzeitig eins der größten Naturschutzgebiete des Kreises war Ort der naturkundlichen Wanderung, die am Samstag, dem 17.7.1999, gemeinsam von der Biologischen Station Rothaargebirge und dem Naturschutzbund (NABU) des Kreises Siegen-Wittgenstein sowie vom Forstamt Hilchenbach und dem SGV durchgeführt wurde. Diplom-Biologin Eva Lisgesvon der Biologischen Station in Erndtebrück erklärte den interessierten Wanderern, dass das Gebiet im Durchschnitt nur 100 m breit sei, bei einer Länge von 8 km aber dennoch die stattliche Größe von 81 ha aufweise. Die Elberndorf, die grenzüberschreitend in Wittgenstein und im Siegerland ihren Verlauf nimmt, darf sich frei entfalten. Der Bach sucht sich völlig naturbelassen sein Bett, natürliches Mäandrieren wird auf diese Weise gefördert. Matthias Mennekes, Naturschutzreferent des NABU und gleichzeitig Förster im Forstbezirk Elberndorf, hat die Entstehung und Entwicklung des jungen, erst 1996 ausgewiesenen Naturschutzgebietes von Anfang an begleitet. "Zwischen 1986 und 1996 wurden umfangreiche Entfichtungsmaßnahmen durchgeführt. Es wurde schweres Gerät eingesetzt, im Staatswald des Forstamtes Hilchenbach wurden die Bäume aber schonend mit Seilkrananlagen aus dem Talbereich gezogen, so dass hier der Boden geschont wurde. Direkt nach den Maßnahmen ist mancher beim Anblick des Tales erschrocken. Aber die Natur hat schnell wieder die Wunden geheilt, die Mensch und Maschine ihr in guter Absicht zugefügt hatten", berichtet Mennekes.
Das Elberndorftal drei Jahre nach den Renaturierungsmaßnahmen;
der alte Wildapfel - rechts im Bild - wurde bewusst stehen gelassen
(Foto: Schween-Ante, NABU)
Auf dem schweren nassen Boden hatte sich der frühere Fichtenbestand ohnehin als nicht wirtschaftlich herausgestellt und Schwierigkeiten bereitet. Die Entfichtungsflächen aus Privatbesitz pachtete der Kreis, wobei das Forstamt zwischen Kreis und betroffenen Waldbesitzern vermittelte. Auf den rein staatlichen Flächen des Forstamtes Hilchenbach wurden die Renaturierungsmaßnahmen auf eigene Initiative der Forstverwaltung durchgeführt. Mosaikähnlich entwickelte sich nach der Entfichtung des Tals eine reich strukturierte Bachlandschaft. Als Folge der natürlichen Waldentwicklung wuchsen bachbegleitend junge Erlen, Eschen und Birken heran, aber auch verschiedenartige Grünlandformen (Feucht- und Nassgrünland, Magergrünland, magere Säume) bildeten sich heraus.
Die Bewirtschaftung der offenen, landwirtschaftlichen Flächen wird durch einen ortsansässigen Landwirt im Rahmen des Vertragsnaturschutzes sichergestellt. NABU-Experte Matthias Mennekes erklärte den Wanderern, dass die offenen Flächen im Idealfall extensiv beweidet würden. Da sich hierfür aber kaum noch Landwirte finden, werden sie überwiegend durch eine einmalige Mahd nach dem 15.7. und dem Abtransport des Grasschnitts gepflegt.
Das Paarungsrad der Azurjungfer
(Foto: Schween-Ante, NABU)
Dipl. Biologin Eva Lisges unterstrich die Bedeutung des Gebiets für Fauna und Flora: "Seit sich die Natur im Elberndorftal frei entwickeln kann, haben sich bereits wieder Knabenkräuter eingefunden und andere seltene Pflanzen, z.B. Kreuzblümchen und Arnika. Bei den Tieren ist hervorzuheben, dass die Wasseramsel an der Elberndorf heimisch ist, eine große Vielfalt an Libellen und Amphibien, der Schwarzstorch sich als Nahrungsgast immer wieder einstellt und z.B. der Dukatenfalter, der in der Roten Liste als stark gefährdete Art geführt wird, als eine im Elberndorftal recht verbreitete Art bezeichnet werden kann."
Matthias Mennekes vom NABU betonte am Schluss der äußerst kompetent geführten Wanderung, dass das veränderte Landschaftsbild in der heimischen Bevölkerung und bei auswärtigen Wanderern eine hohe Akzeptanz findet und die Maßnahmen immer wieder ausdrücklich gelobt würden. Vom herrlichen Landschaftseindruck konnten sich die Teilnehmer an der naturkundlichen Wanderung bei schönstem Wetter selbst überzeugen. Der Dank richtete sich an die beiden Naturexperten vom Forstamt und der Biologischen Station, ohne die man viele interessante und wunderschöne Einzelheiten gar nicht gesehen und begriffen hätte.
Angela Schween-Ante, NABU
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