NaturschutzgebieteIm Sindernbachtal bei Walpersdorf
Am Donnerstag, dem 16.4.1998, fand eine pflanzen- und heimatkundliche Wanderung durch das Sindernbachtal bei Walpersdorf statt. Die Leitung der ca. zweistündigen Wanderung übernahmen Peter Fasel von der Biologischen Station Rothaargebirge und Gustav Rinder vom NABU (Naturschutzbund Deutschland) Siegen - Wittgenstein.
Der Waldgoldstern
(Foto: Schween-Ante, NABU)
Sehr schnell stellte sich heraus, dass die Exkursion neben NABU - Mitgliedern sowie weiteren Naturfreunden aus dem Kreisgebiet und darüber hinaus auch auf das rege Interesse von Mitgliedern des Heimatvereins Walpersdorf gestoßen war, die die Ausführungen Fasels und Rinders durch ihre genauen und ausführlichen Kenntnisse in anregender Weise ergänzten.
Man war sich bald darin einig, dass der Pflege der Siegerländer Kulturlandschaft, die wie keine andere Landschaft sonst durch die Niederwaldwirtschaft charakterisiert ist, vom Konsumverhalten der Siegerländer Bürger und ihrem Idealismus abhängig ist. Ein regelmäßiger Einschlag nach 18 bis 21 Jahren ist nämlich nur dann möglich, wenn Holz und Holzkohle aus dem Siegerland genügend Absatz finden, damit weiterhin die sicherlich nicht rentable, aber für das Landschaftsbild unerlässliche Haubergswirtschaft betrieben werden kann.
Bei bestehender Haubergswirtschaft wird man sich auch in Zukunft botanischer Kostbarkeiten erfreuen können, wie sie im Naturschutzgebiet Sindernbachtal zu finden sind. An sumpfigen, quelligen Stellen im Umfeld des heranwachsenden Niederwalds, bedingt auch durch die häufigen Niederschläge hier am Westkamm des Rothaargebirges, kann man Pflanzen beobachten, die sonst nur im Hochgebirgslagen zu sehen sind.
Jetzt, Mitte April, finden sich noch große Teppiche wilder Märzenbecher, auch der seltene Waldgoldstern, ein Liliengewächs, ist zu beobachten. Im Frühsommer wird man eine große Vielfalt von Gebirgswiesenpflanzen anschauen können, beispielsweise den Waldstorchschnabel. Die extensiv bewirtschafteten Wiesen des Naturschutzgebietes Sindernbachtal werden nur einmal im Jahr, und zwar im Juli, gemäht, so dass sich die seltenen Pflanzen reich entfalten können.
Dass sie in ihrer natürlichen Umgebung belassen und nicht für den Hausgarten ausgegraben werden sollten, dürfte eine Selbstverständlichkeit sein, zumal die Pflanzen auch in Gartenmärkten für wenig Geld zu erhalten sind.
Die Märzenbecher lieben es feucht. Darum sind sogar die kultivierten Arten für Hausgärten nur schwierig zu halten
(Foto: Schween-Ante, NABU)
Neben den Besonderheiten der Fauna bietet das Sinderbachtal immer wieder andere überraschende Anblicke, z.B. eine Anzahl verlassener Meilerplätze, die der Laie erst auf den zweiten Blick erkennen kann sowie die Einfassung des Sindernbachs, welcher in technisch äußerst aufwendiger Weise durch zwei Höhenrücken hindurch in einem Kanalsystem in die Obernautalsperre eingeleitet wird.
Am Ende der NABU - Exkursion zeigte sich der Heimatverein Walpersdorf äußerst gastfreundlich. Die Vorsitzende des Vereins, Frau Barbara Sting, lud sämtliche Wandersleute zu Kaffee und Riewwekoche ins Pfarrheim St. Sebastian ein, wo das fachkundige Gespräch über naturgeschichtliche und geologische Besonderheiten des Sindernbachtals und des Siegerlands fortgeführt wurde.
Anmerkung: Das Sindernbachtal wird als Naturschutzgebiet unter der Bezeichnung NSG Birkenborn geführt, das aus 2 Teilen (Sindernbach und Eckstein) besteht.
Angela Schween-Ante, NABU
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