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Der Friedhof lebt

Die dunkle Jahreszeit steht vor der Tür und damit auch Monate der Besinnlichkeit, die mit ihren kirchlichen Feiertagen von vielen Menschen mit einem Besuch auf dem Friedhof in Verbindung gebracht werden. Der Naturschutzbund Siegen-Wittgenstein (NABU) nimmt dies zum Anlass, um die Aufmerksamkeit auch einmal auf die anderen vielfältigen Funktionen von Friedhöfen zu lenken. Friedhöfe sind nämlich nicht bloße Totenstätten, sondern Orte, die voller Leben stecken. Gerade in Städten und Ballungsgebieten finden hier viele Tiere und Pflanzen einen Lebensraum. Wie dieser Rückzugsort der Natur noch attraktiver und naturnäher gestaltet werden kann, ohne dass religiöse und kulturelle Bedürfnisse beschnitten werden, erläutert Markus Fuhrmann vom NABU Siegen-Wittgenstein.

Harmonie und Ruhe strahlt der alte Friedhof in Kaan-Marienborn aus, der von Jung und Alt als Aufenthaltsort geschätzt wird
(Foto: asa, NABU)

Der Naturschutzbund (NABU) setzt sich schon seit einiger Zeit dafür ein, Friedhöfe naturnäher zu gestalten: ,,Wir wollen mit gemeinsamen Aktionen wie dieser, dem Gedanken "Naturschutz auf dem Friedhof" zu einer größeren Popularität verhelfen. Vielen ist der Gedanke aber einfach noch fremd," so NABU - Experte Fuhrmann. Dabei geht es nicht nur um Empfehlungen, sondern auch um Anregungen in Form von praktischen Beispielen. ,,Es gibt glücklicherweise auch auf Seiten der Kirche Ansätze, die den Naturschutzgedanken auf ihren Friedhöfen fördern. So wurden aus unattraktiven Begräbnisstätten mit Hilfe einiger kleiner Kunstgriffe richtige Naturoasen. Wir möchten Bürger und Friedhofsbetreiber aus Kirchen und Kommune dazu anregen, auch beim ,,letzten Garten" ans Leben zu denken," sagt Markus Fuhrmann vom NABU.

Gewinner einer der heimischen Natur und der Tradition verpflichteten Bepflanzung ist nicht nur die Tier- und Pflanzenwelt. Vor allem der Mensch kann feststellen, dass ein naturnaher Friedhof mit alten Bäumen, wechselnden Hecken- und Mauerstrukturen viel mehr Charme ausstrahlt als eine sterile Schachbrettatmosphäre.

Bei der Beschäftigung mit den seit alten Zeiten typischen Pflanzen des Friedhofs kann man vieles über die Symbolsprache der Pflanzen lernen und mit den Bräuchen der Vorfahren direkt in Kontakt treten.

Die alten Grabmäler stehen im Einklang mit dem Herbstlaub und den immergrünen Pflanzen, bilden mit ihnen zusammen ein naturnahes Ambiente
(Foto: asa, NABU)

Besonders auf alten Friedhöfen sind die immergrünen Pflanzen beherrschend. Sie symbolisieren Hoffnung, Ewigkeit und Unsterblichkeit. ,,Was immer grünt und nimmer sein Laub verliert, soll dich gemahnen, dass du niemals die Hoffnung aufgibst, sondern dass dir immerdar durch den Glauben die Hoffnung des Heiles erblühe", schrieb bereits der heilige Ambrosius. Die besonders alt werdenden Eiben sind Sinnbild für ein langes Leben und die Farbe der Goldsäuleneiben für Ewigkeit und Verklärung. Ihre nach oben weisende Gestalt soll im Angesicht des Todes die Gedanken zu ewigem unvergänglichem Leben emportragen. Wacholder galt früher als Zufluchtsort verstorbener Seelen, von dem aus sie wiedergeboren werden können. Die Liste der symbolträchtigen heimischen Pflanzen ließe sich noch lange fortsetzen.

Nach Meinung des NABU wird noch viel zu wenig in Richtung Umweltschutz getan. Dabei ist man sich über die Richtung und Zukunft der Friedhöfe mancherorts schon einig. ,,Wir meinen, dass wir unsere Wegwerfkultur nicht auch auf dem Friedhof pflegen müssen. Mit mehrjährigen heimischen Stauden statt kurzlebigen exotischen Pflanzen, mit begrünten statt komplett versiegelten Wegen oder mit dem Verzicht auf Gift und Torf kann mit kleinen Schritten viel erreicht werden", erläutert NABU - Fachmann Markus Fuhrmann.

asa, NABU

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