Jungtier in der Natur gefunden - was nun?


Im Frühling und Frühsommer werden in der Natur viele Jungtiere geboren. Überall betteln aus den Hecken Jungvögel. Rehe, Hasen und Füchse haben bereits oder bekommen nochmal Nachwuchs. Der Naturschutzbund Deutschland (NABU) Kreisgruppe Siegen-Wittgenstein appelliert aus diesem Anlass, nicht jedes aufgefundene Jungtier aus falsch verstandener Tierliebe gleich mitzunehmen. Nur selten handelt es sich bei den gefundenen Tieren um verlassene, verletzte oder geschwächte Tiere, die Hilfe benötigen.


Junge Amsel auf dem Asphalt sitzend.

Diese junge, bereits flugfähige Amsel ist versehentlich auf einer Straße gelandet.

Sie wurde sicher an den Straßenrand getragen und von den Eltern weiter gefüttert.

(Foto: M. Frede)


Jedes Jahr rufen besorgte BürgerInnen beim NABU Siegen-Wittgenstein an, die in der Natur scheinbar hilflose Jungtiere gefunden haben. Immer wieder kommt es vor, dass diese Tiere zu schnell mitgenommen werden. Dies ist in der Regel nicht notwendig. Viele Jungvögel verlassen ihr Nest bereits, bevor ihr Gefieder vollständig ausgebildet ist. Es handelt sich dabei um fast flugfähige Jungvögel, sog. Ästlinge, die noch von ihren Eltern gefüttert werden.


Auch Kitze oder junge Feldhasen liegen regungslos geduckt alleine im Gras und erwecken so den Eindruck, als wären sie von der Mutter verlassen worden. Aber die Jungtiere verhalten sich so, um nicht von ihren Fressfeinden wahrgenommen zu werden. Die Häsin kommt zum Beispiel nur zweimal am Tag zum Säugen. Auch die Ricke lässt den Nachwuchs nicht länger allein, weil sie eine Rabenmutter ist, sondern um ihn zu schützen. Das Muttertier ist meist in unmittelbarer Nähe und passt auf. Gerade bei Säugetieren – z.B. Rehkitzen, Eichhörnchen, Jungfüchsen oder -hasen – sollte man die Jungtiere, im Gegensatz zu den Vögeln, auf keinen Fall anfassen und streicheln. Die menschliche Witterung könnte dazu führen, dass die Muttertiere die Jungen verlassen.


Generell sind die Aufzucht und das spätere erfolgreiche Auswildern von Jungtieren sehr schwierig und gelingen nicht immer erfolgreich.


Wann ist Hilfe überhaupt notwendig?

Beim Auffinden von kranken oder verletzten Tieren ist natürlich direkte Hilfe notwendig und sinnvoll. Allein sitzende Jungtiere sollten auf jeden Fall längere Zeit beobachtet werden, um festzustellen, ob sie tatsächlich verlassen sind. Erst dann ist es ratsam, die Findlinge in eine nächstgelegene Tierpflegestation zu geben. Man muss dabei unbedingt darauf achten, dass sich die evtl. abwesenden Weibchen bei der Rückkehr nicht beobachtet fühlen und sich deshalb nicht zum Nachwuchs trauen!


Ebenfalls sollte man eingreifen, wenn Tiere in unmittelbarer Gefahr sind, etwa auf einer Straße sitzen oder sich anderen Gefahrenquellen nähern. Diese kann man, je nach Art, in einen nahegelegenen Baum oder Busch bzw. in hohes Gras setzen. Wenn man bei Säugetieren keine Handschuhe benutzt hat, sollte man hinterher die Tiere mit einem Grasbüschel abreiben, um den menschlichen Geruch so gut es geht zu entfernen bzw. zu überdecken. Bei Jungvögeln ist diese Maßnahme nicht notwendig, da sich die Vogeleltern bei der Betreuung ihrer Jungtiere nicht von Gerüchen abhalten lassen.

Was kann jeder tun!

Jeder verantwortungsvolle Naturfreund sollte sich während der Setz- und Brutzeit rücksichtsvoll in der Natur verhalten und Störungen vermeiden. Reiter sollten die Wege nicht verlassen und Hunde gehören beim Spaziergang unbedingt an die Leine. Freilaufende Hunde spüren Wildtiere bzw. deren schutz- und wehrlosen Jungtiere leicht auf. Aufgeschreckte Elternvögel verlassen ihre Nester und können Eier oder Jungvögel nicht vor dem Auskühlen schützen. Rehkitze oder Junghasen werden aufgescheucht und möglicherweise später von ihrer Mutter nicht mehr gefunden. Aufgescheuchte Wildtiere werden zudem immer wieder in der Folge Opfer von Verkehrsunfällen. Verwaiste Jungtiere müssen dann ggf. qualvoll verhungern.


Eine weitere ständige Gefahrenquelle für Jungvögel sind allerdings auch unsere Hauskatzen. Schätzungsweise 6 Millionen dieser Raubtiere laufen frei bei uns herum. Nach diversen Untersuchungen, z.B. des Instituts für Haustierkunde der Universität Kiel, können ca. 20% ihrer Nahrung aus Vögeln bestehen. Viele davon fallen den Katzen vor allem in der Dämmerung zum Opfer. Versuchen Sie daher - zumindest im Frühjahr und Frühsommer - ihre Katze in dieser Zeit im Haus zu halten.


Sind Wildtiere verletzt oder deren Jungen wirklich verlassen, können sich BürgerInnen im Kreis Siegen-Wittgenstein an Experten wenden. Eine Liste von Ansprechpartnern kann auf der Internetseite des NABU www.nabu-siwi.de heruntergeladen werden. Die oft ehrenamtlich arbeitenden Personen auf dieser Liste freuen sich über ihre finanzielle oder sogar aktive Unterstützung. Neben der sehr zeitaufwendigen Arbeit kommen immer wieder nicht unerhebliche Kosten für den Tierarzt bzw. für das Futter zusammen.


Sabine Portig, 2013

Vogel des jahres 2017

Foto: Tom Dove
Foto: Tom Dove

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